Was genau in den letzten Tagen auf der Krim geschehen ist, werden wir aller Voraussicht nach wohl nie erfahren. Russland beschuldigt die Ukraine, die Ukraine kontert, Aussage steht gegen Aussage. Doch anstatt die Ruhe zu bewahren und zumindest zu versuchen, Fakten möglichst objektiv zu ordnen und Spekulationen seriös zu bewerten, stricken die klassischen Medien lieber Verschwörungstheorien und blenden alles aus, was nicht ihrem Weltbild entspricht. „Der Russe lügt sowieso“, so das Mantra. Das ist mehr als ein Ärgernis. Vor allem dann, wenn die Edelfedern ihr Stahlgewitter herbeisehnen und wie Richard Herzinger in der WELT für militärische Aggressionen trommeln. Vielleicht sollten Historiker einmal genau untersuchen, welche Rolle Journalisten bei der Entfesselung von Kriegen spielen?

Was ist passiert? Die russische Version

Wie fast immer, wenn es um Konflikte in der ukrainisch-russischen Grenzregion geht, gibt es nichts, das einigermaßen objektiv abgesichert, verifizier- oder falsifizierbar ist. Nach offizieller russischer Sprachregelung hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB in der Nacht vom 6. auf den 7. August einen Hinweis auf eine mögliche Infiltration von Saboteuren von See aus im Grenzgebiet der Krim erhalten. Am Einsatzort stieß man dann auf eine Gruppe Bewaffneter, die nach einem Gefecht flüchteten. Bei diesem Gefecht kamen ein FSB-Mitarbeiter und zwei Angreifer ums Leben. Daraufhin schloss man die Grenzübergänge auf der Krim und löste – unterstützt durch die Armee – eine Großfahndung aus. In der Nacht zum 8. August wehrten russische Militäreinheiten einen weiteren Infiltrationsversuch ab, wobei ein russischer Fallschirmjäger ums Leben kam. Unter den Gefangenen befand sich – russischen Quellen zufolge – auch der ukrainische Militärgeheimdienstmitarbeiter Ewgenij Panow, der daraufhin verhört wurde. Im Rahmen der Ermittlungen gegen Panow und die weiteren Saboteure wurden russischen Angaben zufolge rund 20kg Sprengstoff festgesetzt. Den Aussagen der Gefangenen zufolge, sollten mit dem Sprengstoff Anschläge auf Infrastruktur- und Tourismus-Einrichtungen auf der Krim ausgeübt werden.

Was ist passiert? Die ukrainische Version

Die Ukraine streitet dies ab, präsentiert Panow als „Opfer einer Entführung“ und belässt es ansonsten dabei, erst gar keine Fakten zu präsentieren. Lieber präsentiert man Verschwörungstheorien, nach denen die vermeintlichen Anschläge ein modernes „Sender Gleiwitz“ seien – die fabrizierte Begründung für eine geplante Großoffensive. Daher „reagierte“ man offizieller Sprachregelung nach, indem man zusätzliche ukrainische Truppen an die Grenze verlegte und die Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzte.

Für die deutschen Medien ist die Sache klar. SPIEGEL-Online-Korrespondent Benjamin Bidder fasst die Gemengelage mit dem Satz „Beweise für Russlands Behauptungen gibt es nicht“ zusammen. Das ist freilich korrekt. Aber wie sollte denn bitte ein „Beweis“ aussehen? Der FSB und russische Medien zeichnen eine ziemlich lückenlose und stringente Kette, präsentieren Bilder vom beschlagnahmten Sprengstoff und Videos mit den Aussagen des festgenommen Ukrainers Panow. Na klar, das kann alles ebenfalls gestellt und fabriziert sein. Aber auf welchen „Beweis“ trifft dies nicht zu? Immerhin präsentiert Russland Belege. Die Ukraine braucht dies offenbar nicht zu tun, ihre Erklärungen werden – egal wie wirr sie sein mögen – zumindest von Deutschlands Medien ohnehin nicht ernsthaft auf Plausibilität geprüft. Wenn Aussage gegen Aussage steht, glauben deutsche Journalisten ohnehin nicht der russischen Seite – da kann kommen, was will. Anstatt die russischen Vorwürfe zumindest zur Kenntnis zu nehmen, werden sie stattdessen reflexhaft als „Kriegsrhetorik“ abgetan. Und da wundern sich die klassischen Medien ernsthaft, dass sie rapide an Deutungshoheit verlieren?

Herzinger bläst zum Sturmangriff

Ginge es nur um einseitige oder unausgewogene Berichterstattung – Schwamm drüber, daran haben wir uns ja leider schon gewöhnt. Die Vorfälle auf der Krim werden jedoch von vereinzelten kalten Kriegern der Journalistenbrigade auch skurril umgedeutet, um Kriegspropaganda zu betreiben. Anders ist Richard Herzingers bellizistischer Aufruf „Der Westen muss Putin jetzt endlich stoppen“ in der WELT kaum zu deuten. In diesem Aufsatz betreibt Herzinger Propaganda im schlimmsten Sinne des Begriffs. Die russischen Vorwürfe sind für ihn schlicht „Schauerpropaganda“, ein „fabriziertes Komplott“ um „eine groß angelegte Invasion der Ukraine vorzubereiten“. Hat Herzinger Beweise oder zumindest Belege, um diese skurrile Verdächtigung zu untermauern? Aber nicht doch.

Wer erfolgreich hetzen will, der sollte ichs gar nicht erst mit Fakten oder gar dem großen Wort „Wahrheit“ abgeben. Putin wolle den Westen wie 2008 „überrumpeln“, so Herzinger. „Georgien ließ er 2008 im August angreifen, als die westlichen politischen Entscheidungsträger am Strand oder in den Bergen vor sich hin dösten“. Selbst ein kalter Krieger wie Herzinger sollte eigentlich wissen, dass 2008 nicht Putin Georgien, sondern umgekehrt Georgien die Entität Südossetien und damit de facto Russland angegriffen hat. Was Herzinger hier betreibt, nennt sich Geschichtsrevisionismus. Aber wer weiß, vielleicht hält Herzinger auch das Unternehmen Barbarossa für eine gerechtfertigte Vorwärtsverteidigung gegen den aggressiven Russen?

Herzinger ist keinesfalls ein Solitär. „Journalisten“ wie er haben die Welt schon öfters in Unglück getrieben. Waren es nicht französische Journalisten, die 1870 auf die „Emser Depesche“ mit Schaum vorm Mund reagierten und die französische Regierung in einen Krieg mit Deutschland trieben? Waren es nicht vor allem die Edelfedern, die vor 1914 die Völker der Welt in einen besoffen-aggressiven Nationalismus trieben, der dann in den Ersten Weltkrieg und Jahre später in den Zweiten Weltkrieg mündete? Und waren es nicht Medien die unsere Politik aufforderten, 1999 das Kosovo und Serbien zu bombardieren, um ein „zweites Auschwitz“ zu verhindern? Und wer hat 2003 die „fabrizierten Lügen“ der angloamerikanischen Geheimdienste ungeprüft weiterverbreitet, um den Überfall des Irak vorzubereiten? Nicht nur Generäle und Präsidenten, auch Journalisten haben Blut an ihren Händen. Hoffen wir, dass die Geschichte Herzinger nicht mit dem Stahlgewitter belohnt, dass er sich so sehr herbeiwünscht.

3 Kommentare

  1. das sind die bilder wo einem einfach nur schlecht wird!
    https://cdnde1.img.sputniknews.com/images/31213/49/312134998.jpg
    http://de.sputniknews.com/politik/20160816/312134465/obama-unterbricht-urlaub-clinton-fundraising.html

    http://de.sputniknews.com/politik/20160610/310522650/usa-obama-clinton-unterstuetzung.html

    http://de.sputniknews.com/panorama/20160816/312134524/hacker-nsa-spionage-tools-versteigerung.html
    -auch interessant!

    während die amis überall in der welt unsicherheit und kriege anzetteln, kommen sie nun mit dem arbument der sicherheit, um ihrem gegenkandidaten mal wieder eins auszuwischen!
    man kann nur hoffen, dass die amerikanische bevölkerung nicht zuuu viele chemtrails abbekommen hat, und trump wählt!

    Diese Worte Trumps gefährden US-Soldaten im Irak

    Die Aussagen des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, wonach US-Präsident Barack Obama ein Mit-Begründer der Terrormiliz Daesh (auch Islamischer Staat, IS) sei, stört die Arbeit der US-Soldaten im Irak, wie US-Vizepräsident Joe Biden bei einer Wahlkampfveranstaltung von Hillary Clinton im Bundesstaat Pennsylvania sagte.

    „Wenn er wenigstens eine Vorstellung von den negativen Folgen hätte, die seine Äußerungen für unsere Verbündeten und die Sicherheit unserer Truppen im Irak haben könnten. Trump macht unser Land schon jetzt weniger sicher“, so Biden.

    Trump: „Wer gegen IS kämpft, ist unser Verbündeter“ – auch Russland
    Zuvor hatte Trump in einem Interview gegenüber dem TV-Sender CNBS US-Präsident Obama als „Gründer“ der Daesh-Terrororganisation bezeichnet, weil er US-Truppen aus der Region abgezogen hätte. Es ging hierbei um die Reduzierung der zahlenmäßigen Stärke des US-Kontingents im Irak auf Präsidentenbeschluss. Zuvor hatte Trump auch seine demokratische Rivalin Clinton eine IS-Gründerin genannt.

    Die US-Präsidentenwahlen sind für den 8. November angesetzt. Laut RealClearPolitics liegt Clinton gegenwärtig 7,7 Prozentpunkte vor Trump.

    Die Terrormiliz Daesh stellt heute eine der größten Bedrohungen für die Weltsicherheit dar. Die Daesh-Kämpfer haben in den drei zurückliegenden Jahren große Gebiete des Irak und Syriens besetzt und versuchen jetzt, ihren Einfluss auf Nordafrika, besonders Libyen, auszudehnen.

  2. korrupte und rückgratlose politische inkompetenzler und wichtigtuer , schwidneler machen es möglich!

    aber stück für stück werden sie entlarvt!
    ————————-
    hier ein weiteres beispiel des anmaßenden wahnsinns der vsaraelis!

    USA blockieren Gazprom-Projekte in Europa – Medien

    Die USA üben Druck auf europäische Länder aus, um die angedachten Gasgeschäfte mit Russland zum Scheitern zu bringen und eigene Projekte zu fördern, wie die österreichische Zeitung „Die Presse“ berichtet.

    Solopart: Gazprom muss Pipeline-Projekt Nord Stream 2 allein stemmen
    Als Beispiel wird in der Zeitung der Deal zwischen dem österreichischen Energiekonzern OMV und dem russischen Gazprom angeführt. OMV sollte im Zuge eines Tauschgeschäfts der Gazprom Teile ihrer Norwegen-Tochter für einen Viertelanteil an einem sibirischen Gasfeld bieten. Dabei aber stellte sich heraus, dass Norwegen nicht damit zufrieden sei, dass das russische Unternehmen in norwegischen Gewässern aktiv werden wolle.

    Gazprom soll, so war es geplant, allerdings maximal ein Viertel der OMV Norge erhalten. „Den möglichen Rest auf den Wert des sibirischen Gasfelds müssten die Österreicher in Cash drauflegen. Cash, das der OMV zurzeit nicht so einfach zur Verfügung steht“, hieß es. Die Zeitung sowie die hohen Kreise des russisch-europäischen Gasgeschäfts vermuten, dass dieses Verhalten der norwegischen Behörden dem geopolitischen Konflikt geschuldet sei, der „Erinnerungen an die Zeit des Kalten Kriegs wachruft“.

    Polen gegen Nord Stream 2 – Gazprom muss die Pipeline allein verlegen
    Nach der Verkündung des Tauschgeschäfts Anfang April in Sankt Petersburg hätten die USA in Norwegen interveniert, und zwar bei Energieminister Tord André Lien selbst, als dieser in den USA gewesen sei, so ein namentlich nicht genannter Top-Gasmanager gegenüber der Zeitung.
    Die USA hätten sich nicht nur in Sachen OMV eingemischt, sie seien in letzter Zeit in Europa „generell auf allen Ebenen beispiellos aktiv“, um Gasgeschäfte Europas mit Russland zu behindern, so der Manager mit Verweis auf Personen, die mit den Verhandlungen zur Gaspipeline Nord Stream 2 vertraut sind.

    Dänemark beschwere sich über seine Zwickmühle, weil es eigentlich nichts gegen den Ausbau der Gaspipeline habe, dabei aber auch Washington nicht brüskieren wolle. In Polen würden die USA „hingegen offene Türen einrennen“, hieß es im Artikel.

    Lawrow: Moskau will Nord Stream 2 nicht politisieren
    Am Freitag wurde bekannt, dass das aus fünf EU-Konzernen bestehende Konsortium – darunter die OMV – wegen des Widerstandes der polnischen Kartellbehörde nun doch keine Verbindung mit dem russischen Konzern Gazprom zum Bau von Nord Stream 2 eingehen könne. Das Blatt betont dabei, die Aktivitäten der USA seien in eine Zeit gefallen, als erstmals amerikanisches Gas nach Europa geliefert worden sei, womit ein neuer Wettbewerb um Marktanteile entstanden war.

  3. In „unserer“ Demokratie ist eben nichts so, wie es scheint.

    Oder haette sich irgendjemand zu „petting statt Pershing“ – Zeiten vorstellen koennen,
    dass die „Gruen_Innen“ einmal zu den groessten Kriegshetzern gehoeren werden?

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