Die Erziehung unserer Kinder ist wohl eine der schwierigsten Aufgaben der neueren Zeit. Zu viele verschiedene erziehungswissenschaftliche Ansätze und die oftmalige Überforderung der Eltern durch mangelnde Zeit und Unsicherheit, lassen Kinder heute all zu oft als kleine Tyrannen erscheinen. Brauchen wir wieder einen gesellschaftlichen Konsens?

Von Nancy McDonnell

Wie erzieht man Kinder richtig? Diese Frage stellt man sich in den Familien der heutigen Zeit immer wieder – und – da die Antworten oft so widersprüchlich ausfallen, bleibt am Ende oft eine große Unsicherheit übrig. „Die Zeit“ ist der Frage erneut nachgegangen „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“ und beleuchtet dabei das Verhalten von Kindern, Eltern, Pädagogen und Therapeuten.

Am Anfang seien es noch Ausnahmen gewesen, sagt Kinderarzt Edwin Ackermann gegenüber Zeit, inzwischen benehme sich mehrmals täglich ein Patient daneben. „Und die Eltern stehen oft hilflos daneben und wissen nicht, was sie tun sollen.“

Ackermann ärgere sich darüber, dass Eltern ihre Kinder nicht ordentlich erziehen würden. Das hätte seiner Meinung nach mehrere Gründe. Vielleicht würden sie denken, dass das Leben später noch hart genug werde oder aber – sie könnten sich einfach nicht durchsetzen. Manche seien zu bequem oder einfach nur ausgepowert. Das führe dann zum Beispiel zu Sechsjährigen, die ihre Schuhe nicht ausziehen wollen und nach der Mutter schreien und schlagen. Auch könne es zu der Art Kindern führen, die ständig dazwischenquatschen und die Eltern sich bereitwillig unterbrechen ließen. „In vielen Familien bestimmen die Kinder die Spielregeln.“

Haben wir ein Erziehungsproblem?

Sozialpädagoge und Familientherapeut Elms Frank antwortet der Zeit: „Es gibt eine große Unsicherheit, was man Kindern auch mal zumuten kann.“ Manche Eltern sprächen sehr umständlich mit ihren Kindern, uneindeutig. „Ich empfehle dann: Sagen Sie Ihren Kindern kurz und klar, was Sie von ihnen verlangen. Wenn Kinder eine sichere Beziehung zu ihren Eltern haben, dann halten die das auch gut aus.“

Für Frank ist es ein Fehler, wenn Eltern die Kinder nicht in altersgerechte Haushaltsaufgaben einbeziehen würden. Man brauche sich nicht wundern, wenn die Kinder eine Anspruchshaltung entwickeln würden, wenn man ihnen alles abnehme. Und dabei meint er alles, „vom Tischdecken bis zu negativen Gefühlen, wie Wut Ärger und Traurigkeit.“ Einfühlung und Verständnis wären hier oft besser, „als sofort eine Lösung zu präsentieren.“ Die Gefühle hätten schließlich ihren Grund.

Ein guter Wille sei hierbei meistens nicht abzusprechen. „Viele Eltern haben enorm hohe Ansprüche an sich selbst. Sie wollen alles perfekt machen und setzen sich dabei unter Druck. Und wissen oft nicht, wie eine gute Reaktion aussähe.“

Noch nie gab es so viele Erziehungsratgeber wie heute. Ariane Breyer schreibt weiter in der Zeit: So könnten sich insbesondere ambitionierte Mütter ganz kleiner Kinder entschließen, „Attachment Parenting“ zu praktizieren (zu Deutsch: bindungsorientierte Elternschaft). Dabei gehe es darum, die Signale des Kindes aufmerksam zu lesen und seine Bedürfnisse genau zu erfüllen: viel tragen, gemeinsam schlafen, lange stillen. Die Methode verlange also eine hohe emotionale Investition am Anfang, verspreche dafür aber später kooperationswillige Kinder. Eltern, die auch die eigenen Bedürfnisse im Blick haben, könnten sich Rat holen bei Annette Kast-Zahn, die zum Beispiel in Jedes Kind kann schlafen lernen einen Fahrplan aufstellt, wie man Babys die umständlichen Einschlafrituale abgewöhnt, damit sie bald allein im eigenen Zimmer nächtigen können.

Wird das Kind größer, könne man sich zum Beispiel zwischen dem demokratisch -partnerschaftlichen Ansatz des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul oder dem schwedischen Psychiater David Eberhard entscheiden. Während bei ersterem Grenzen eine wichtige Rolle spielen, wobei er die eigenen und die der Kinder meint und davon überzeugt ist, dass Eltern ihren Kindern mit Respekt begegnen müssten, sieht Zweiter das genau umgekehrt und meint, der Respekt müsse von den Kindern eingefordert werden. Einer verweichlichten und ängstlichen Elterngeneration empfehle Eberhard in Kinder an der Macht, sich am Riemen zu reißen und ihre Kinder wieder „mit mehr oder weniger fester Hand auf den richtigen Weg zu bringen“.

Schuld ist die „naive Mentalität“ der 68er

Einig seien sich alle Autoren nur in einem Punkt: Der gesellschaftliche Konsens darüber, wie man Kinder erzieht, ist verloren gegangen. Schuld, so der Lehrer Axel Becker in Die Toleranzfalle, sind die 68er, deren „naive Mentalität“ letztlich zu vollständiger sozialer Verwahrlosung geführt habe, schreibt Zeit. Auch für Eberhard sei eine liberale Erziehung, wie sie Jesper Juul vertritt, schlicht ein Mangel an Erziehung, der unserer Gesellschaft den größten Schaden zuzufügen imstande ist. Deshalb wüte Eberhard so gegen infantilisierte Turnschuh-Eltern, die unbedingt cool sein wollen und sich aus lauter Panik, so zu klingen wie ihre eigenen Eltern, lieber auf der Nase herumtanzen lassen würden.

7 Kommentare

  1. Welch schöner und wahrer Spruch: Man könnte erzogene Kinder gebären, wenn nur die Eltern erzogen wären. Neulich in einer Hausarztpraxis erlebt: Volles Wartezimmer, meine Frau mit starken Kopfschmerzen. Junge Mutter mit etwa 10 jährigem Buben. Der sammelt immer flott hintereinander Legobausteine auf Kopfhöhe und lässt sie mit totaler Freude immer wieder aus Schultehöhe krachend fallen. Eine total schöpferische Tätigkeit für ein Kind dieses Alters. Auf unseren Einwand, dass nun gerade ein Wartezimmer kein Spielplatz für eine derart stumpfe Krachmacherei ist, war nur ein verständnisloses Kopfschütteln dieser „Erziehungsberchtigten zu erreichen. Niemand anders im Wartezimmer traute sich, den Mund aufzumachen, obwohl an den Gesichtern schon vorher keineswegs die totale Frteude über diese Belästigung zu erkennen war. Das unerträgliche Schweigen der dummen Masse. Wir kennen es doch auch anderswo.

  2. Man nannte das früher in der BRD „antiautoritäre Erziehung“.
    Da war ich anfangs als freiheitsliebender Mensch auch dafür.
    Als ich aber in der Praxis an Kindern gesehen haben, was
    für abgrundfreche Fratzen da rauskommen, war ich schnell vom
    Gegenteil überzeugt. Schon in der Bibel heißt es, „wer sein
    Kind liebt, der züchtigt es.“ Da ist was dran.

  3. Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
    – Niemand!
    Und wenn er „kommt“?
    – Dann werden wir was „erleben“!

  4. Es fehlt die Disziplin wie zu DDR-Zeiten und der guten Zeit davor.
    Kinder werden verwöhnt, es wird ihnen alles abgenommen, keine Pflichten usw., der Arsch wird ihnen nachgetragen.
    Mit 20 unselbstständig, arrogant, bekommen aber nicht den Schnürsenkel zugebunden, „studieren“ ein Laberfach und fühlen sich ganz wichtig. Unsere „Eliten von morgen“
    die brd-GmbH hat fertig.

  5. Nun, da scheiden sich wohl am Anfang schond ie Geister, was denn nun ein 68iger ist. Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen denen, die die Revolution gestaltet haben, und jenen, die sie nur erlebt haben, weil sie grade in der Pupertät waren. Ich halte letztere für das Problem. Die Eltern der Bahnhofsklatscher von 2015 entstammen schon rein generationsmäßig aus den geburtenstarken Jahrgängen von ca. 1952 bis 1965. Diese Eltern waren nur mehr Zuschauer der damaligen Unruhen. Und zudem waren sie genau jene, für die man später den Begriff der Null-Bock-Generation prägte. Die Alt 68iger sind/waren hingegen Menschen, die sich einbrachten, egal wie man ihre Ansichten auch werten mag. Sie waren praktisch die Schauspieler in einem Theaterstück. Die Null-Bock-Generation und deren Bahnhofsklatscherkinder sind praktisch Zuschauer in den ordentlichen Sitzreihen des Theaters. Klatschen ist ok, das Stück zu bewerten auch, aber selbst zu gestalten? Meine Meinung bezüglich Kindererziehung ist eine dezidiert andere als die der obigen Experten. Was man den Kindern erlaubt oder verbietet ist eher zweitrangig. Wer offenen Auges die Entwicklung der eigenen Kinder verfolgt, merkt ganz schnell, dass Lernen bei Kinder zum überwiegensten Teil Nachahmung ist. Das Verhalten der Eltern oder Ersatzpersonen ist für die Kinder Maßstab. Diskrepanzen zwischen Wort und Handlung werden von den Kindern schon im Kleinkindalter erkannt und die Handlung als Leitfaden präferiert. Und in Zusammenhang mit der Epigenetik fällt dann der Apfel im sprichwörtlichen nicht weit vom Stamm.

  6. Die 68er sind vor allem korrupt, wie man an den Diplomaten rund um Joschka Fischer, Rezzo Schlauch, Ludgar Vollmer und Co. sah

  7. Die 68er Bewegung hat es geschafft, das Denken – insbesondere in moralischen und gesellschaftlichen Fragen – in der Bundesrepublik Deutschland entscheidend zu verändern, und hat daher viel zum Niedergang des deutschen Volkes und der deutschen Kultur beigetragen. Hauptsächlich aus der ersten umerzogenen Generation nach dem Kriege bestehend, war sie Teil der von den JewSA ausgehenden Internationalen Studentenbewegung, wurde aber auch wesentlich von der jüdisch dominierten Frankfurter Schule inspiriert.
    http://de.metapedia.org/wiki/68er-Bewegung
    Als Frankfurter Schule wird die neomarxistische Verhaltens- und Erziehungslehre bezeichnet, die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno im Institut für Sozialforschung in Frankfurt begründet wurde. Die Frankfurter Schule war einer der wichtigsten Träger der Umerziehung, des Kulturmarxismus und ideologischer Grundstock der 68er-Bewegung. Horkheimer selbst arbeitete direkt für den VS-amerikanischen Geheimdienst an der Planung der Umerziehung.
    http://de.metapedia.org/wiki/Frankfurter_Schule
    Vertreter der „Frankfurter Schule“:
    Die Juden Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Erich Fromm, Max Horkheimer, Leo Löwenthal, Herbert Marcuse, Friedrich Pollock.

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