Die in der letzten Woche erfolgte Festnahme eines Oberleutnants der Bundeswehr, der mit erheblichem Aufwand eine Scheinidentität als vermeintlich syrischer Asylbewerber aufgebaut und dann eine Pistole auf einem Flughafen versteckt hatte, wirft zahlreiche Fragen auf. Was sonst gern als „Verschwörungstheorie“ abgetan wird, inszenierter Terrorismus für verdeckte politische Ziele, steht nun offen als Verdacht im Raum – und das auf der ganz großen Medienbühne von der Tagesschau bis zur Süddeutschen Zeitung. Selbst die BILD berichtete zwei Tage in Folge auf der Titelseite.

Von Paul Schreyer

Zunächst eine kurze Zusammenstellung der bislang bekanntgewordenen Fakten zum Fall. Der aus Offenbach stammende Oberleutnant Franco A. lässt sich Ende 2015 in Bayern als syrischer Flüchtling registrieren. Ihm wird eine Unterkunft zugewiesen, die er auch sporadisch besucht, um die Post abzuholen und die neue Scheinidentität aufrechtzuerhalten. Tatsächlich arbeitet er ab 2016 im Jägerbataillon 291 der Bundeswehr, wo er auf einer Stabstelle „internationale Übungen und Manöver plant“, wie der Spiegel berichtet.

Im Dezember 2016 wird er offiziell als Flüchtling anerkannt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gewährt ihm „subsidiären Schutz“, was eine zunächst einjährige Aufenthaltserlaubnis und eine Arbeitserlaubnis beinhaltet. Einen Monat später, im Januar 2017, besucht Franco A. den „Ball der Offiziere“ in der Wiener Hofburg, ein großes gesellschaftliches Ereignis, das vom Österreichischen Bundesheer alljährlich organisiert wird. Der Ball ist laut Auskunft der Veranstalter „ein Treffpunkt nicht nur der Offiziere des Österreichischen Bundesheeres und der Wiener Gesellschaft, sondern auch europäischer Politik und Wirtschaft. (…) Aufgrund der immer stärker werdenden internationalen Zusammenarbeit mit ausländischen Armeen finden sich auch immer häufiger Offiziere aus diesen Ländern als Ballbesucher ein“. Die Sponsoren des Balls sind unter anderem die großen internationalen Rüstungskonzerne Krauss-Maffei Wegmann, BAE Systems und General Dynamics.

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Nach dem Besuch des Balls und unmittelbar vor seinem Rückflug nach Deutschland versteckt der Oberleutnant eine Pistole auf der Toilette des Wiener Flughafens. Diese Waffe wird einige Tage später von Wartungspersonal entdeckt. Die alarmierte österreichische Polizei stellt daraufhin eine Falle und nimmt Franco A. fest, als dieser am 3. Februar die Pistole wieder aus dem Versteck holen will. Die Fingerabdrücke auf der Waffe führen die Behörden dann zum registrierten „syrischen Flüchtling“, der Doppelidentität des Oberleutnants. Der Offizier wird fortan verdeckt observiert, die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt ab Februar, am 26. April wird er schließlich festgenommen. So der Ablauf, soweit bisher bekannt.

Offenkundig ist, und so vermutet es auch die Staatsanwaltschaft, dass der Oberleutnant einen Terroranschlag plante und diesen dann dem fiktiven „syrischen Flüchtling“ in die Schuhe schieben wollte – die Vorbereitung eines klassischen „Anschlags unter falscher Flagge“ also. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Clemens Binninger von der CDU, sprach in einer ersten Stellungnahme von einem „Fall in uns bisher unbekannter Dimension“.

Wie bekannt wurde, handelt es sich bei Franco A. offenbar um einen Rechtsradikalen, worauf die Bundeswehr auch schon frühzeitig Hinweise hatte. Der Offizier hatte an der französischen Elite-Militärhochschule Saint-Cyr studiert, wo ein Professor seine Masterarbeit (Titel: „Politischer Wandel und Subversionsstrategie“) 2014 als extremistisch und „nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar“ einstufte. Unter anderem folgende Fragen stellen sich nun zum Fall: Handelte der Offizier privat oder womöglich in Absprache mit Vorgesetzten? Und wie ist es möglich, dass er als „syrischer Flüchtling“ anerkannt wurde?

Zur letzten Frage gibt es zumindest einen Anhaltspunkt. Nachdem sich Franco A. Ende 2015 als Flüchtling registrieren ließ und im Mai 2016 einen regulären Asylantrag stellte, wurde er im November 2016 schließlich in einer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg zu seinen Beweggründen persönlich befragt. Wie nun bekannt wurde, handelte es sich bei seinem Befrager um einen „von der Bundeswehr ans Bamf ausgeliehenen Soldaten“. Der Flüchtling spielende Soldat wurde also seinerseits von einem als Bamf-Beamten agierenden Soldaten überprüft.

Einzeltäter oder Teil eines Netzwerks?

Zur Frage, ob Franco A. privat handelte oder in Absprache mit Vorgesetzten, lohnt ein genauerer Blick auf seinen Arbeitgeber, das Bundeswehr-Jägerbataillon 291. Dieses in Frankreich stationierte Bataillon ist keine gewöhnliche Einheit, sondern eine Art Pionierverband für besondere Aufgaben. Das Bataillon ist dort präsent, wo es geopolitisch brenzlig ist, etwa in Litauen oder in Mali. Es ist außerdem eingebunden in politisch brisante Manöver, wie die Übung „Saber Strike“ 2015 in Polen, die nicht von der NATO, sondern direkt von der US-Armee befehligt wurde.

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Kommandeur des Bataillons und damit Vorgesetzter von Oberleutnant Franco A. ist Oberstleutnant Marc-Ulrich Cropp, Jahrgang 1972. Dessen Karriere ist eng mit den Spezialkräften und auch mit den USA verknüpft. Nachdem er bereits Ende der 1990er Jahre Weiterbildungen in den Vereinigten Staaten besucht hatte, absolvierte er schließlich von 2008 bis 2010 eine Eliteausbildung beim U.S. Marine Corps, wo er die „School of Advanced Warfighting“ besuchte. Zurück in Deutschland leitete er im Verteidigungsministerium die Planungsabteilung für Operationen der Bundeswehr-Spezialkräfte.

Unmittelbar vor seiner Ernennung zum Kommandeur des Bataillons 291 im März 2015 bekleidete er von 2012 an einen weiteren hohen Posten im Ministerium, als Stabsoffizier beim Chef des Planungsstabes, also bei einem der engsten Vertrauten des Ministers. Cropp arbeitete in dieser Funktion bis 2014 für den Chef des Planungsstabes Ulrich Schlie, ein Mitglied der Atlantikbrücke, der 2002 als Mitarbeiter von Wolfgang Schäuble und dann als außenpolitischer Berater von Roland Koch politisch gestartet war. Unter der Ministerin Ursula von der Leyen war Cropp dann ab 2014 dem neuen Chef des Planungsstabes Géza Andreas von Geyr unterstellt, der ebenfalls aus dem Umfeld von Schäuble stammt und von 2010 bis 2014 als Vizepräsident des BND amtierte.

In diesem personellen Umfeld machte der heutige Vorgesetzte von Franco A. Karriere. Im Jägerbataillon 291, das laut Bundeswehrbeschreibung „eine besondere Befähigung zum Einsatz in urbanem und sonstigem schwierigem Gelände“ hat, unterstehen ihm derzeit etwa 600 Soldaten.

Der Oberleutnant mit der Doppelidentität gehörte dem Bataillon seit 2016 an und war dort auf einer Stabstelle mit der Planung von internationalen Übungen und Manövern befasst. Das Jägerbataillon ist Teil der Deutsch-Französischen Brigade, welche sich laut Bundeswehr „signifikant an NATO-Großübungen beteiligt“ und „ein Modell für militärische Zusammenarbeit insbesondere in operativer Hinsicht“ sei: „Die Deutsch-Französische Brigade ist ein Großverband, der sich in Teilen stets weltweit im Einsatz befindet.“ Das Jägerbataillon 291 ist dabei der erste Verband der Bundeswehr, der dauerhaft in Frankreich stationiert ist. Nachdem Cropp die Leitung übernommen hatte, nahm das Bataillon an dem direkt von der US-Armee geführten Manöver „Saber Strike“ 2015 in Polen teil. In der Presse hieß es dazu:

„Mark-Ulrich Cropp und seine Männer sind auf sich allein gestellt. Cropp ist Oberstleutnant und Kommandeur des Jägerbataillons 291 aus Illkirch bei Straßburg. (…) für Cropps Infanteristen ist nicht das Großgerät der Truppe maßgeblich, sondern die Fähigkeit, sich im Kriechgang über den Waldboden einem gegnerischen Schützengraben unerkannt zu nähern, um ihn einzunehmen. (…) ‚Die Bundeswehr‘, auch das ist sein Fazit aus dem Gefecht in Pommerns Wäldern, ‚muss sich vor niemand verstecken‘.“

Deutlich wird eine Struktur, welche die Bundeswehr als Reservoir für internationale Einsätze benutzt, teilweise außerhalb nationaler Befehlsgewalt. Was die Anschlagspläne von Oberleutnant Franco A. angeht, sind bislang keine Indizien bekannt geworden, die auf eine Verwicklung staatlicher Stellen oder Vorgesetzter hindeuten. Es ist denkbar, dass der Offizier als Privatmann handelte. Ob das allerdings, im Kontext seiner Arbeit und der geschilderten Umstände, auch als plausibel gelten kann, ist bis auf weiteres unklar.

Auffällig ist der große Aufwand der Strafverfolgungsbehörden bei der Aufklärung. In Zusammenhang mit der Festnahme des Oberleutnants und eines weiteren Verdächtigen durchsuchten in der vergangenen Woche insgesamt 90 Polizeibeamte 16 Objekte in Deutschland, Österreich und Frankreich.

12 Kommentare

  1. Für mich ist diese mysteriös-absurde Geschichte weiter nichts als eine Art militärische Variante des NSU-Märchens! „Guckt mal, die bösen Nazis sind doch wirklich überall!“ Wer’s glaubt, wird selig, und selig sind die Bekloppten!

  2. Eine bizarr- mysteriöse Story in der bunten Wehr. Möglicherweise war alles geplant, um die Handhabe für eine Säuberung von „rechten Elementen“ in der Truppe zu bekommen und gleichzeitig den BAMF den schwarzen Peter für noch zu erwartende Attentate durch Islamisten zuzuschieben. Dazu passt auch gut, dass jetzt von der Laien die gesamte Bundeswehrführung einbestellt hat, wobei alle ihre Handys und Laptops zu Beginn vom MAD einkassiert wurden. Möglicherweise will man herausfinden, wie loyal die Generalität zum gesetzesbrecherischen Kurs der politischen Entscheider steht. Das Beispiel Türkei lässt hier grüßen. Das Vertrauen gegenüber der Generalität zumindest scheint gering zu sein, wie der Rundumschlag dieser „Verteidigungsministerin“ beweist. Die darauf folgende Empörungswelle hatte zur Folge, dass die Person verbal zurückrudern musste.

  3. Ganz typische GLADIO-Aktion, die wohl fehlgeschlagen ist, da sie vorzeitig entdeckt wurde. Nun wird ganz schnell wieder mal eine Nazi-Terrorzelle daraus gebastelt, siehe GLADIO-NSU-Zelle.
    These – Antithese = Synthese :
    Man baut nichtexistende Nazizellen oder ander Terrotgruppen auf, die dann wirklich bekämpft werden können und als Ergebnis wird unter Abbau der bürgerliche Rechte eine Zwingherrschaft aufgebaut.

  4. Vermutlich wird man nun wieder solange vom bösen Einzeltäter sprechen, bis es alle nicht mehr hören können. Zwar glaubt es niemand, aber nach Jahren wird man sich nur noch an den „Einzeltäter“ erinnern. Es ist doch wohl eher so, dass man dort ganze Bataillone für den Terror trainiert. Früher hat man das mit den „Stay Behind“-Truppen gemacht (und kräftiger US-Finanzierung) und nun ohne Finanzierung, da der Ami sich diese Spielchen nicht mehr leisten kann. Braucht er auch nicht mehr, unsere willigen Lemminge machen das inzwischen mit vorauseilendem Gehorsam selbst

    Warten wir mal, wieviele „Einzeltäter“ noch auftauchen. Ich glaube, das Lied ist noch nicht zu Ende 🙂

  5. Meine Meinung dazu ist ; „Es geschied nichts zufälliges hier in Europa,alles wird von langer Hand in voraus geplant“
    Das sagte mir mal ein Logenbruder der Freimaurer.
    Auch habe ich ein CIA-Agent aus Frankfurt/M gekannt,der mir mal sagte :“Glauben Sie nichts,aber auch überhaupt nichts was Presse,Medien ihnen zeigen,sagen,schreiben,es wird verdreht,gefälscht,gelogen.hier in der BRD.

  6. M. E. hat Angela von Trump und/oder Pence den unmissverständlichen Auftrag erhalten, aus der BW ein kampfbereites Truppenkontingent zu machen. Deshalb muss „Röschen“ gehen. Mit Gender-Toiletten und Kindergärten kann man nicht in den dritten Weltkrieg ziehen. Die BW hat nix zum Schießen, nix zum Fliegen und kaum fähiges Personal: militärisch gesehen eine abgewirtschaftete Trümmertruppe. Bin mal gespannt, wer den Job übernehmen soll.
    UvdL hat jedenfalls bewiesen, dass sie auch das nicht kann!

  7. Die Problematik liegt viel tiefer: Man wollte eine Bundeswehr, die nach Plänen der Grünen entweder nicht mehr exestieren sollte oder mit Wattebäuschchen wirft, hat sie aber unter Joschka Fischer in Kriegseinsätze geschickt. Nach Abschaffung der Wehrpflicht stellte man auch Frauen in den militärischen Dienst, um so das Töten humaner ausschauen zu lassen. Da sich aber „Weicheier“-Soldaten (auch männliche) nicht für solche Aktionen nicht eignen, musste man eben auch „forschere“ Typen nehmen. So ist aus unserer Bundeswehr eigentlich eine Söldnerarmee geworden.

  8. Es ist eine Schande wie unsere Reg. in Schneckenart den Amis/Soros in den A…kriecht,anstatt unsere Souveränität voranzutreiben bzw. einen Friedensvertrag endlich nach 70 Jahren zu erzwingen,was nach den Den Haager Konventionen hätte schon längst gemacht werden müssten. Aber daran ist die US/Isr.-Reg. nicht daran interessiert. Aber die Wahrheit und Gerechtigkeit können sie nicht aufhalten.

  9. Diese Geschichte ist der Hammer, nicht weil sie gross erstaunt, sondern weil man an einem nun offensichtlichen Beispiel erkennt, wie die deutsche Regierung gegen die eigene Bevölkerung hinterhältig und skrupellos agiert. Es lässt mit Schaudern erahnen, wie diese Regierung – notabene auch die anderen westeuropäischen Regierungen – noch andere Anschläge als False-flag-Aktivitäten zu verantworten hat. Der BND und alle ihm angehängten militärischen oder nicht-regierungsorganisatorischen Institutionen sind alle Dependencen der CIA und des Pentagons. Aus den politischen, militärischen und kriegerischen Ereignissen der letzten Jahre musste man das ja schon lange so annehmen. Hier breitet sich mit Entsetzen ein Ereignis aus, das diese naheligende Vermutung bestätigt. Damit wird ein Fenster in eine entsetzlich zerstörerische Welt geöffnet, die sich die meisten Menschen hier in Europa nie vorstellen konnten.

  10. Und wo lernt man all diese miesen Tricks?
    Von der Wagner Gruppe,oder auch „die freiwilligen“ von Donezk genannt.
    Ein ganz übler Haufen Generäle mit 1700 Mann starker Truppe die ohne Hoheitsabzeichen in Donezk Hund,Katze,Kind,Oma und Opa abgeknallt haben.
    Soviel zur Überschrift unter falscher Flagge.

    Nur wird dieser Soldat und alle die davon wussten und beteiligt waren nicht von der Verteidigungsministerin auch noch geehrt.

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