Sie leben in der BRD, doch wählen ihr Parlament in der Heimat. Mehr als eine halbe Million Türken schritten bereits bis zum gestrigen Sonntag deutschlandweit zu den Wahlurnen. Erdogan erfreut sich bei den außerhalb der Türkei lebenden Türken nach wie vor großer Beliebtheit.

von Günther Strauß

Noch bis zum morgigen Dienstag können wahlberechtigte Türken in Deutschland für die türkische Parlaments- und Präsidentschaftswahl ihre Stimme abgeben. Am vergangenen Wochenende machten davon besonders viele Vertreter Gebrauch. Allein am Sonntag hatten mehr als 100.000 der in der Bundesrepublik registrierten türkischen Wähler abgestimmt. Insgesamt beteiligten sich bis einschließlich Sonntag 588.209 Türken in der BRD an der Wahl.

Außer mit dem Bezug von Sozialhilfe haben viele in Deutschland lebende Türken mit ihrer neuen Wahlheimat nicht viel am Hut. Das Geld nimmt man gern, doch wählen geht man für die echte Heimat in der Türkei. Fast 1,5 Millionen Türken, die in der BRD leben, sind für die Türkei wahlberechtigt. Insgesamt leben fast 3 Millionen wahlberechtigte Türken außerhalb ihres Heimatlandes und stimmen dort für das Parlament und den Präsidenten ab. Bei knappen Wahlergebnissen könnten diese Stimmen sogar am Ende entscheidend sein. Kein Wunder also, dass Erdogan auch in der BRD gern auf Wahlkampf geht.

Um es den Türken möglichst einfach zu gestalten, ihren Präsidenten und ihr Parlament in der Türkei zu wählen, gibt es in der Bundesrepublik 13 Konsulate, in denen Stimmen abgegeben werden können. Da die Konsulate in Essen, Hannover, München und Nürnberg nicht über geeignete Räumlichkeiten verfügen, richten sie Wahllokale außerhalb ein. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, die Wahl so bequem wie möglich zu machen.

Das spiegelt sich auch in der Wahlbeteiligung wider. Bisher haben mehr als 40 Prozent der Wahlberechtigten in der BRD ihre Stimme abgegeben, im Nachbarland Österreich sind es mehr als 42 Prozent. Insgesamt kann außerhalb der Türkei in 60 Ländern gewählt werden. Am türkischen Verfassungsreferendum im April letzten Jahres hatten sich 48,8 Prozent der in Deutschland registrierten Wähler beteiligt.

Kommentar schreiben

Bitte gib Deinen Kommentar ein
Bitte gib Deinen Namen hier ein