Das allmähliche Ende der Politik des Quantitative Easing (expansive Geldpolitik mit faktischen Nullzinsen) kann an den überhitzten Finanzmärkten zu einem Crash mit erheblichen Konsequenzen führen. Der Herbst dürfte an den Börsen sehr ungemütlich werden.

von Michael Brückner

Es gibt sogenannte Börsenweisheiten, über deren Sinn man zwar trefflich streiten kann, die aber immer wieder gern zitiert werden. Und zwar vor allem von den Moderatorinnen und Moderatoren der TV-Börsensendungen. Eine dieser angeblichen Weisheiten lautet: »Politische Börsen haben kurze Beine«. Soll heißen: Die Akteure an den Finanzmärken reagieren – wenn überhaupt – nur kurzfristig auf politische Veränderungen und gehen dann ziemlich schnell wieder zur Tagesordnung über. Das stimmt nur insoweit, als ein Regierungswechsel oder neues Personal an der Regierungsspitze allenfalls ein paar Stunden oder Tage für Attentismus sorgen. Anders ausgedrückt: Die Märkte werden nicht kollabieren, wenn uns zum Beispiel Angela Merkel endlich von ihrer Kanzlerschaft erlöst.

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Politische Börsen können jedoch sehr lange Beine haben, wenn dahinter nicht nur kurzfristige, sondern dauerhafte Veränderungen stehen. Die Regierungsbildung in Italien etwa war keineswegs eine Laune des für seine politische Volatilität bekannten Landes. Sie war vielmehr die Folge der Migrantenkrise, die Italien als Mittelmeerland und damit als »Eingang zu Europa« besonders drastisch spürt. Und die Erfolge jener Parteien in der EU, die im Duktus der Mainstream-Parteien und -Medien als »populistisch« bezeichnet werden, sind ebenso wenig Betriebsunfälle wie der Brexit. Es handelt sich vielmehr um Symptome eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungsprozesses, den der Mainstream und das Political-Correctness- Oligopol zu Recht fürchten müssen. Ein Veränderungsprozess, der auch direkten Einfluss auf die Finanzmärkte haben wird, weil die dort handelnden Personen und Interessengruppen ebenfalls diesem Oligopol entweder angehören oder ihm nahestehen. Wenn sich in dieser Hinsicht nachhaltige Veränderungen abzeichnen, dann haben politische Börsen in der Tat sehr lange Beine.

Der Crash wurde nur aufgeschoben

Zur Rettung des Systems gehörten zum Beispiel die Null- und Negativzinsen der EZB, mit denen man einen völligen Zusammenbruch des Euro quasi in letzter Minute verhinderte. Der Crash wurde aufgeschoben. Gleichzeitig flossen Geldmengen in nachgerade astronomischer Höhe in den Markt, was zu einem atemberaubenden Preisanstieg bei den Vermögenswerten führte. Das betrifft nicht nur den Immobilien-, sondern zunehmend auch den Aktienmarkt.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Sonja Laud, die in London als Direktorin »Aktienstrategie Europa« für einen großen Fondskonzern arbeitet, illustriert diesen Vermögenszuwachs anhand von vier Zahlen: »Die US-Wirtschaft ist seit Anfang 2009 um 34 Prozent gewachsen, die Europas um 23 Prozent. Und die globalen Aktienmärkte? Sie stiegen um 190 Prozent, in den USA sogar um 260 Prozent«, sagte sie jüngst in einem Capital-Interview. Solche Aussagen geben umso mehr zu denken, als die Zunft, in der Sonja Laud arbeitet, in der Regel eher zu Schönfärberei neigt.

Der Liquiditäts-Tsunami hat offenkundig dazu geführt, dass den Marktteilnehmern jedwedes Risikobewusstsein abhandengekommen ist. Ein Beispiel: Vor etwa einem Jahr begab Argentinien eine 100-jährige Anleihe in einem Volumen von über 2 Milliarden Euro. Ausgerechnet Argentinien – ein Land, das im Laufe seiner Geschichte schon achtmal pleite war. Das störte die Anleger nicht, sie griffen zu, als lägen die Bonds gleichsam auf einem Wühltisch für Finanzprodukte. Was offenkundig ein Fehler war, denn in den vergangenen Wochen befand sich diese Anleihe im freien Fall.

Immer mehr Warner und Mahner

»Wir haben uns an zehn Jahre extrem üppige Liquidität durch die Notenbanken gewöhnt … Diese Unterstützung fällt nun weg. Es ist einfach ein völlig neues, schwierigeres Marktumfeld«, warnt Sonja Laud. In der Tat – das Marktumfeld ist nicht nur schwierig, vielmehr fehlt jede empirische Erfahrung. Keiner weiß so recht, was da auf uns zukommt, wenn die Notenbanken ihre Politik der quantitativen Lockerung (Ankauf von Wertpapieren durch die Zentralbanken und Nullzins-Politik) zurückfahren. Und wie es scheint, will auch keiner so recht über die Folgen nachdenken. Doch die Zahl der Mahner und Warner wird immer größer. Viele stellen bereits Parallelen zur Situation vor dem Mega-Crash des Jahres 1929 her. Auch damals wollte keiner die drohenden Gefahren wahrhaben. Wenige Tage vor dem seinerzeitigen Crash gab Irving Fisher, immerhin Ökonomie-Professor an der Yale University, zu Protokoll: »Die Aktienkurse haben ein dauerhaft hohes Niveau erreicht. Ich erwarte, dass die Kurse in wenigen Monaten ein gutes Stück höher als heute stehen werden«.

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»Größte Blase der Geschichte«

Zu den Warnern und Mahnern gehört zum Beispiel der US-Politiker und ehemalige Präsidentschaftskandidat Ron Paul. Der 83-jährige sagte in einem Interview mit CNBC, »wir erlebten gerade die ›größte Blase in der Geschichte der Menschheit‹. Wenn sie platze, könne sich der Aktienmarkt halbieren.« Auch der Hedgefonds-Manager Greg Coffrey ist pessimistisch und vergleicht die derzeitige Situation an den Märkten mit der Lage vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Sein Kollege Russell Clark von Horseman Capital ist ebenfalls pessimistisch. Einer der Gründe: die Normalisierung der Geldpolitik durch die Zentralbanken. Das sind zugegeben nur drei Beispiele. Und alle drei Experten sind für ihren Pessimismus bekannt. Aber auch andere Marktteilnehmer, mit denen wir in den vergangenen Wochen sprachen, äußerten sich ähnlich – wenngleich nicht öffentlich.

Hinter vorgehaltener Hand sprachen sie von einer beunruhigenden Sorglosigkeit, die an den Finanzmärkten vorherrsche. So etwas sei typisch für eine Situation vor einer kräftigen Korrektur oder gar einem Crash. Abzulesen sei diese Sorglosigkeit an der geringen impliziten Aktienvolatilität, worunter die erwartete Schwankungsbreite von Aktien zu verstehen ist. In solchen Fällen bedarf es oft nur eines unvorhergesehenen Ereignisses (also des vielzitierten »schwarzen Schwans«), um eine Crash auszulösen. »Ich fürchte, nicht alle sind darauf vorbereitet, dass uns turbulentere Zeiten ins Haus stehen«, warnt Sonja Laud.

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21 Kommentare

  1. „Börsenkurse“ (Metastasen) wird man nicht essen können, sie werden keine Pflanzen sprießen lassen…!!!

  2. Zur Erinnerung :
    Wenn alle von einem baldigen Crash ausgehen, wird es eben … keinen Crash geben !
    Fragen Sie einfach die aktuellen Shorties (Tesla Indizes etc) wieviel Geld in den letzten Tagen verloren ging
    Be a conrtarian …

  3. Stellt Euch vor es ist Krieg und keiner merkt es! Das schrieb ich vor drei Jahren in meinem Blog. Langsam sickert er nun durch..der Finanzkrieg, der Bürgerkrieg, der Rassenkrieg, der Religionskrieg, der Hungerkrieg, der Angriff auf Weise und die Ausnutzung der schwarzen Menschen für dieses Vorhaben. Wenn das kein Krieg ist? Er sieht nur anders aus, als wir aus der Vergangenheit gewohnt sind. Genauso anders wird auch der Crash aussehen. Langsam aber sicher sickert er durch, als letzte Tat zur Vernichtung der Menschheit.

  4. Crash im Herbst? Dieses Jahr? Garantiert noch nicht. Wäre ja noch schöner, einfach den „Laden zu versenken“. Meine Frage: Wo kann ich dagegen wetten? Ich halte 100% dagegen, dass im Herbst dieses Jahres der Crash kommt. Ja Leute, wieder ein Grund zum Feiern, das wir noch am Leben gelassen werden.

    • Werden wir jemals daran erinnert, dass die Wirtschaft dem Menschen und dessen Versorgung dienen sollte – und nicht umgekehrt? Kam Geld, so wie wir glauben, dass es ist, nicht als Tauschmittel in Umlauf, anstatt als Mittel der Machtausübung? Und wenn wir die derzeitige Finanzlage, weltweit symbolisch mit dem Schicksal der Titanic in Vergleich setzen, stellt sich lediglich die Frage, ob wir uns noch auf unausweichlichem Kollisionskurs mit dem Eisberg befinden oder ob wir diesen schon gerammt haben – und hilflos auf den Untergang warten.

      2008 wurde die Welt von einem Finanzschock erschüttert. Ausgelöst wurde dieser durch nichts anderes als das künstliche Hochtreiben der Immobilienpreise in den Vereinigten Staaten und den damit verbundenen Spekulationsgeschäften. Bei allen beschönigenden Kommentaren, die von einer langsamen Erholung der Wirtschaft faseln, handelt es sich entweder um unverzeihliche Ignoranz oder verachtenswerte Lügen.

      • oder einem durch Nervengifte beigebrachtem
        Stockholmsyndrom, brav zu ersaufen, während
        die Hot Volet, die Berggipfel ver privatisiert, und
        von den Militärs gegen die Menschen abriegeln.
        ( auf die Poolschmelze, durch „Wirtschaftswachstum“ bezogen.)

    • @Atze
      gelebt haben wir, auskömmlich in den 60ern bis 80ern.
      Das hier ist braves warten, auf die Verarbeitung
      zu Silence Green. 28 Jahre Stockholmsyndrom,
      geben den Sackasten das Recht, oder?
      Hoffentlich knall es bald, es wird immer erbärmlicher.

    • jeder „Crash“ dient ausschließlich den Lobbys,
      fleißigen Kleinaktionären, zu zeigen wo sie stehen.
      Telekom, Post, und hast nicht gesehen. G wird
      ausgeschrieben, der Pöbel beißt an, Unternehmen
      situiert sich, wird in Turbulenzen gesteuert, Pöbel
      verliert die Nerven, wirft mit 80% Verlust ab.
      Drei Jahre später steht das hohle Papier beim
      300 fachen des Anfang Preis. Beutelei ohne Ende.
      Die ganze Mittelstand Blase geht mir außerdem
      auf den Kecks. Dieses permanente Gewinsel um
      die Gunst, pervertierter Organisationen.

  5. Was schwerfällt zu verstehen ist, daß von der Finanzmafia/Dominanz mehrere Szenarien gleichzeitig „gefahren“ werden. Der Crash ist, NUR, eine der Alternativen, aber inhaltet vielerlei Risiken in der, heute, vernetzten Welt. Keine Eigentumsrisiken, sondern Machtrisiken. Verlust der MachtMatrix! Dies ist das Problem der Dominanz, da „ihr“ Schuldgeldsystem endlich ist (unendliche Gier!). Immer konnten sie die Situation durch einen Krieg oder Bürgerkrieg, mit Crash zu ihren Gunsten entscheiden! Der Ausgleich von Passiva und Aktiva.
    Krieg ist, immer, eine Enteignung von den Aktiva und/oder des Lebens, selbst, der Bürger. Die Dominanz, muß man verstehen, braucht kein Geld/Liquidität, da sie sich dieses selber drucken kann! Wir, die anderen, das Volk, lebt unter „der Knute“ der Diktatur, einem unmenschlichen Finanzkolonialismus, dem, WIR, selber noch zuarbeiten, da wir alle Mittäter sind, im System. Die „Lust“ am Untergang/Tod! Keiner will diese Wahrheit hören oder zugeben. Unsere „Gottlosigkeit“ ist Verrat uns selbst gegenüber. Gott ist nicht im Himmel, sondern auf Erden. Wer will dem ein Gegenargument führen. NIEMAND, kann den ersten Stein werfen! Die Matrix ist unsere/eine Wiederholungsschleife. Die Platte ist kaputt, keiner merkt es!
    Die „Platte“ heißt Diktatur. Bisher war sie noch analog, bald wird sie virtuell sein! Das ist dann, die TOTALE, gesteuert, durch künstliche Intelligenz. Dahin, will die Dominanz, die mit Gott so wenig zu tun hat, wie der Teufel mit dem Weihwasser! Wohl verstanden! Der Crash kommt nicht, sobald das Bargeld abgeschafft wurde, die „Virtuelle Diktatur“ eingerichtet ist. Alles andere ist Beschäftigungstherapie, damit wir abgelenkt sind. Klappt doch!!!

    • ja es klappt, immer noch nach den Thesen von Napoleons.
      ( es gibt kein leichtgläubigeres Volk als die Deutschen…. )
      Es ist so dass, seit erfinden des Telegraphen, erst die
      Rothschilds, kommunizieren konnten, weil sie die Technik
      sofort in Beschlag nahmen. Mit deren Bankhandel Dogma,
      sind wir denen ausgeliefert, weil die Exekutive anderen
      Handel, sofort unterbinden würde.
      Der Punkt ist nur, es gab bis vor 15 Jahren, kaum für
      Deutsche Arbeit. 1939 schien dem Regime die 2,5 fache
      Landesfläche, für 65 Mio. Einwohner zu klein. Wie
      soll dass jetzt mit über 80 Mio. auf deutlich weniger
      Fläche klappen? Warum erkennt niemand was hier
      unmittelbar bevorsteht, wenn gleichzeitig junge Islam-
      Kämpfer zu 1 Mio. ins Land strömen?

  6. im prinzip passiert das gleiche wieder, wie bei der letzten währungsreform: es wird wieder lastenausgleich und zwangshypotheken geben!!!!!!!!!! der bürger haftet mit seinen vollen privatvermögen für schulden und schäden des herrschersystems. es sei denn:
    die bürger vernichten regierung und notenbanken bis zur unkenntlichkeit!!!!!!!!!

  7. Nanu??? Ist nicht unendliches, grenzenloses Wachstum, der ausschließlich nach oben zeigende Pfeil der Börsen das Wesen und der Lebensinhalt des Kapitalismus??? Gibt es etwa gar kein grenzenloses Wachstum bis an die Grenzen des Universums heran??? Hmmm… stimmt, selbst Krebs stirbt spätestens dann, wenn er mit seinen Metastasen den Wirtsorganismus zur Strecke gebracht hat… Ist dieses gegenwärtige System nicht irgendwie wie Krebs??? Und wie vergiftet ist dann diese Gesellschaft bereits???

  8. ob die FED, igre EZB etc. einen crash zulassen werden? das QT der FED (Verkauf ihrer Anleihen bei Fälligkeit) ist evt. nur schow, in dem sie „hintenrum“, über ihre versteckten Kanäle sogar mehr weiter aufkauft…. bis zur Hyperinflation… und auf dem weg werden die oberen 1% + ihre Politiker und sonstigen vasallen immer relativ reicher…. 100% Goldstandard wäre, ist die beste Lösung.

  9. reiner, aber das klappt nur, wenn du nach dem Crash noch n bisschen Liquidität hast. Da seh ich bei den allermeisten aber ganz schwarz.

  10. Und genau deshalb stinkt es dem Onkel Draghi von der EZB, dass der deutsche Michl keine Aktien will und sie kauft. Da können ja die großen der Elite nimmer raus und gehen mit unter, also nach dem Bums einkaufen gehen, gell?

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