Gewisse Medien haben in letzter Zeit wieder auf die »Migrantenfeindlichkeit« Japans verwiesen. Alarmierende Überschriften vermitteln dem für völlig kritiklos gehaltenen Leser ein Bild fataler Folgen für das Land. Wir aber lernen etwas ganz anderes daraus. Japan sollte nämlich vielmehr als Vorbild für uns dienen.

von Andreas von Rétyi

Japan mit Deutschland zu vergleichen, nun, das wäre trotz mancher Gemeinsamkeiten gewiss vor allem wieder die alte Geschichte von den Äpfeln und den Birnen. Und doch können es unsere Meinungsmacher nicht lassen. Vor allem nicht, wenn es um die Migration geht. Die Huffington Post titelte kürzlich: »Japan hat jahrzehntelang Migranten abgewiesen – das ist passiert«.

Hat das Land sich sein eigenes Grab geschaufelt? Weit gefehlt, die Überschrift führt absichtlich in die Irre. Die Japaner haben weder geschaufelt noch geschlafen. Sie haben sich auch nicht völlig aus der Flüchtlingskrise herausgehalten. Sie haben einfach anders gehandelt als unsere Politiker und Manipulatoren, denn im Gegensatz zu ihnen haben sie vernünftig gehandelt.

Zunächst hebt die HP noch kurz die Erfolgsgeschichte Japans hervor – der Inselstaat, eine der mächtigsten und reichsten Nationen weltweit. In der Nachkriegszeit habe sich Japan zu einer der liberalsten Demokratien der Welt entwickelt, ähnlich Deutschland, aber mit dem Unterschied, nahezu keine Migration zugelassen zu haben. Diese selbstgewählte Isolation sei aber nicht ohne Folgen geblieben. Die HP beruft sich dabei auf eine Anfang August im »renommierten US-Magazin« Foreign Affairs erschienene Analyse. Nur, was darf man erwarten von einem der Zentralorgane der Globalisierer? Immerhin ist Foreign Affairs das Sprachrohr des Council on Foreign Relations (CFR). Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um klare politische Konventionen zu erkennen. Die Japan-Analyse soll uns eine Lektion erteilen: »Migrationsverweigerer« erhalten eine saftige Quittung.

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Folgen der restriktiven Politik

Die gut ins System der Globalisierer integrierten Autoren Yunchen Tian und Erin Aeran Chung bezeichnen Japan als die einzige hochentwickelte industrielle Demokratie, die ihre Grenzen für ungelernte Arbeiter aus dem Ausland geschlossen halte.

In der Edo-Zeit, die zwischen 1603 und 1868 währte, schottete sich Japan beinahe vollständig von der Außenwelt ab. Aus einer lang anhaltenden Isolation habe sich eine starke nationale Kultur entwickelt, weshalb Zuwanderung noch heute als Gefahr für die nationale Einheit und Identität angesehen werde. In der neueren Geschichte habe das Land daher bereits zweimal einen starken Mangel an Arbeitskräften erleben müssen, in den 1960er- wie auch den 1980er-Jahren. Anstatt auf Gastarbeiter zu setzen, so wie hier in Deutschland, habe Japan versucht, die Defizite an Arbeitsplätze in der Industrie durch Automatisierung, Produktionsverlagerung ins Ausland sowie Zuführen von Frauen, Studenten, Pensionären und Landarbeitern zu kompensieren.

O-Ton HP: »Heute bekommt Japan die Folgen dieser restriktiven Zuwanderungspolitik zu spüren.« Und zwar trotz eines seit 1985 von 850 000 auf 2,6 Millionen Menschen gestiegenen Anteils ausländischer Staatsbürger. Dies seien immer noch weniger als 2 Prozent der einheimischen Bevölkerung, gegenüber 8 bis 25 Prozent in den europäischen Staaten.

Geradezu beschwörend heißt es dann, Japan brauche Zuwanderung, um seine Wirtschaft zu retten. Denn die Bevölkerung sei seit 2004 um 1,5 Millionen geschrumpft, die Erwerbsbevölkerung seit 1997 um 10 Millionen gesunken, es kämen 1,6 Stellenangebote auf jeden Arbeitssuchenden – wie zuletzt beim Wirtschaftswunder vor 40 Jahren. Also alles schlecht – so sehr sogar, dass Premierminister Shinzo Abe endlich mehr Zuwanderung gestatten wolle. Und?

Noch viele Millionen Menschen

Da Japan großteils unter Überbevölkerung leidet, muss es logischerweise restriktiv vorgehen. Mit den hierzulande bereits zum Alltag gewordenen massiven Problemen einer oktroyierten »Vielfalt« will und muss sich das Land daher nicht herumschlagen. Bereits im November 2015 schrieb der Zeit-Korrespondent Matthias Naß unter der Überschrift »Japaner unter sich«, die Flüchtlingskrise sei für die Inselnation ein »fernes Thema«. Natürlich schlug er in die typische Kerbe einer vorgeblich dringend benötigten Zuwanderung. Doch kaum ein Migrant aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder gar aus Eritrea schaffe es bis Tokio oder Osaka. Kein Wunder also, wenn es dort wichtigere Themen gebe.

Trotzdem sei dies »befremdlich«, wenn man bedenke, dass die »gegenwärtige Flüchtlingswelle vielleicht nur der Beginn einer viel größeren weltweiten Migrationsbewegung ist«. In den nächsten Jahren dürften, so Naß damals, noch viele Millionen Menschen im Süden aufbrechen, um ein besseres Leben zu finden und der Armut, der Bevölkerungsexplosion, dem sich ändernden Klima und den fehlenden Perspektiven zu entkommen.

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Selbsterhalt gegen Selbstzerstörung

Bilderberg-Teilnehmer Matthias Naß wusste wohl gut, was er da prophezeite. Aber in Japan habe man eben gerade nur eine Handvoll Flüchtlinge aufgenommen. Die Huffington Post müht sich in ihrem Beitrag ihrerseits damit ab, ein Negativbild zu zeichnen. Immerhin, das Blatt wird vom amerikanisch-ungarischen Milliardär und »Migrationsmotor« George Soros mitgetragen.

Der Investigative Fonds der HP wird zur Hälfte von Atlantic Philanthropies (AP) finanziert – einer auf den Bermudas ansässigen privaten Stiftung. Deren »Nähe« zu Soros offenbart sich allein schon dadurch, dass AP zeitweilig von Gara LaMarche geleitet wurde, Ex-Vize des Soros-Netzwerks der Open Society Foundations. Nun, entsprechend tickt die HP und rückt Japans Nationalbewusstsein in ein ungünstiges Licht. Auch Bilderberger Naß erinnert an die in der Edo-Zeit anhaltende japanische Isolation, versäumt aber ebenfalls zu erwähnen, dass sie die längste Friedenszeit der japanischen Geschichte war und dass die Wirtschaft in dieser immerhin 250-jährigen Periode florierte. Laut Foreign Affairs sei zwar das Wort »Einwanderung« in Japan weiterhin tabu, doch wolle die Regierung nun eine vorsichtige Zuwanderung erlauben.

Genau hier aber können wir von den intelligenten Japanern lernen. Sie wollen keine unkontrollierte Massenmigration, sie wollen keine per se integrationsunwilligen Menschen völlig anderer Kulturkreise aufnehmen und damit eine gefährliche Kollision der Kulturen auslösen, sondern vielmehr die Nachfahren von Auswanderern aus Japan ins Land holen, die Nikkeijin, die »Japanstämmigen«, außerdem die Gaikokujin Jinzai, also ausländische Talente. Ein Konzept, das sich von der EU-Migrationspolitik unterscheidet wie Tag und Nacht – Selbsterhalt dort gegen Selbstzerstörung hier.

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