Entgegen ihres Rufes werden Kryptowährungen wie Bitcoin nur selten erfolgreich zur Finanzierung terroristischer Aktivitäten eingesetzt. Zu diesem Schluss kam eine Arbeitsgruppe des US-Kongresses zum Thema Terrorismus und illegale Geldflüsse am 7. September. Die Bedrohung durch Terrorismus und Terrorismusfinanzierung erfordere dennoch ständige Wachsamkeit und Anpassung.

von Christopher Klee

Bargeld ist nach wie vor das Bezahlmittel der Wahl für (islamistische) Terroristen. Das ist eines der Ergebnisse, die aus der Befragung von Experten durch die Arbeitsgruppe des Kongresses hervorgegangen sind. Zu den befragten Experten zählte auch Yaya Fanusie, Analyst des Zentrums für Sanktionen. Das Zentrum gehört zur Stiftung für die Verteidigung von Demokratien, einem Institut, das sich der Terrorbekämpfung und der Verbreitung der Demokratie gewidmet hat.

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„Kaltes, hartes Bargeld ist immer noch der König“, sagte Fanusie laut Forbes vor den Abgeordneten. Zwar hätten der Islamische Staat, Al-Quaida und andere bereits versucht, sich mit Bitcoin & Co. zu bereichern. Bisher waren aber nur wenige dieser Unterfangen erfolgreich. Als konkretes Beispiel für ein solches Scheitern nannte Fanusie den Versuch der Terrorgruppe „Mujahideen Shura Council“ aus dem Jahr 2016. Innerhalb mehrerer Wochen konnten die Djihadisten gerade einmal 500 US-Dollar mit einer Online-Kampagne sammeln.

Cash sei ohnehin attraktiver für Djihadisten, fährt Fanusie fort. Zum einen, weil es anonymer sei als Kryptowährungen. Zum anderen operierten der Islamische Staat und Al-Quaida oft in Gebieten mit mangelhafter Infrastruktur. Da für den Umgang mit Bitcoin & Co. eine Internetverbindung die Grundvoraussetzung ist, sind Kryptowährungen für Terroristen in strukturschwachen Gebieten keine praktikable Option. Außerdem müssten die Terroristen ihre Güter häufig in bar bezahlen, da die Krypto-Adaption auch in von Terroristen besetzten Gebieten noch auf sich warten lässt.

Holzauge, sei wachsam

Trotzdem gebe es keinen Grund zur Entwarnung: Laut Fanusie haben djihadistische Medien bereits damit begonnen, Bitcoin-Funktionalität in ihre Plattformen zu integrieren. Damit diese Kampagnen erfolglos bleiben, hält Fanusie es für unabdinglich, dass sich alle für Terrorfinanzierung zuständigen US-Behörden umfangreiche Kenntnisse für die Analyse von Kryptotransaktionen aneignen. Dies gelte besonders angesichts der wachsenden Zahl an „Private-Coins“, also Kryptowährungen, die ihre Transaktionen besonders effektiv verschleiern.

Auch hierzulande sorgen sich die Behörden um illegale Geldflüsse über Kryptokanäle. So setzte der EU-Rat im Mai dieses Jahres ein Gesetz in Kraft, dass u. a. Kryptobörsen zu einer Form der Vorratsdatenspeicherung verpflichtet.

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