Er ist ein Meister seines Faches, rettete schon tausenden Menschen das Leben. Seine Arbeit ist unersetzlich und er wird von Kunden und Kollegen gleichermaßen geschätzt und geliebt. Ein Einblick in einen ganz normalen Tag eines nicht ganz so normalen Berliners.

von Roscoe Hollister

Es ist Sonntagmorgen um 04:30 Uhr in Berlin. Der Wecker von Boutane M. klingelt. Boutane kann heute nicht ausschlafen, er muss zur Arbeit. Er steht auf, nimmt eine schnelle Dusche, währenddessen läuft der Kaffee schon durch die Maschine. Sein Frühstücksbrot ist schnell geschmiert, essen wird Boutane es unterwegs. Er hat noch eine 45-minütige Fahrt mit U- und S-Bahn vor sich. Die Haltestelle befindet sich zum Glück direkt vor dem Haus.

Die Bahn ist pünktlich und Boutane steigt zu. Er ist im Besitz einer Monatskarte, das spart unnötigen Stress und ist günstiger. Dreimal wird Boutane M. auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz umsteigen müssen. Er kennt die Strecke schon im Schlaf. Der heiße Kaffee rinnt aus dem Thermobecher seine Kehle hinab, das Koffein lässt die letzten Spuren der Müdigkeit verschwinden. Es ist 05:45 Uhr, das Käsebrot ist vertilgt und der Kaffee ist bis auf den letzten Tropfen ausgetrunken.

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Boutane steigt am Hauptbahnhof aus. Noch 10 Minuten Fußweg und er ist an seinem Arbeitsplatz angekommen. Boutane M. arbeitet in der Charité. Der Kongolese ist Herzchirurg und behandelt fast ausschließlich Deutsche, darunter überwiegend Privatpatienten. Die lieben ihn und seine herzlich-warme Art, die er einst aus dem Kongo mitgebracht hat und die noch so intensiv ist wie am Tag seiner Ankunft in Deutschland.

06:30 Uhr ist Schichtbeginn und Boutane ist hochmotiviert und hellwach. Heute stehen zwei komplizierte Operationen auf dem Plan. Boutane ist nach über 1.000 Eingriffen zwar routiniert, trotzdem ist jede Operation für ihn wieder ein neuer Nervenkitzel. Doch auch heute sollte wieder einmal alles gutgehen. Kein Komplikationen, keine kritischen Situationen – Boutane weiß genau, was er tut und er hat ein gutes Team. Die Kollegen lieben ihn und möchten ihn nicht missen. „Als Boutane vor einigen Jahren zu uns kam, war das ein großes Geschenk“, berichtet Manuela F., die bereits seit Anbeginn mit dem sympathischen Kongolesen zusammenarbeiten darf.

Auch die Patienten schwören auf die Wunderhände des kongolesischen Mediziners. Da ist etwa der Düsseldorfer Rechtsanwalt Benjamin K., der extra den weiten Weg nach Berlin auf sich genommen hat, um von Boutane M. behandelt zu werden. Niemals würde er sein Herz einem deutschen Arzt anvertrauen, meint K. und man sieht regelrecht das Funkeln in seinen Augen, als er anfängt, über Boutane M. zu sprechen. Und sein Weg sollte sich lohnen. Der Rechtsanwalt ist all seine Beschwerden los und kann sich wieder voll und ganz seine Job widmen. K. unterstützt abgelehnte Asylbewerber dabei, gegen rassistisch motivierte Ablehnungsbescheide der Behörden vorzugehen und Abschiebungen zu verhindern. Bei den Grünen ist er Ehrenmitglied und er ist bei fast jeder Demonstration gegen Rassismus im Ruhrpott dabei.

Doch zurück zu Boutane M. Nach einem 14-Stunden-Tag ist der Chirurg um 21 Uhr sichtlich erschöpft. Von seiner 30-minütigen Mittagspause hat er nur 10 Minuten genutzt. Ein Toilettengang, ein schneller Kaffee und ein Sandwitch aus der Kantine – für mehr hat es heute nicht gereicht. Boutane M. schlüpft in seinen maßgeschneiderten Anzug und macht sich auf den Weg zum Hauptbahnhof. Dort springt er in eine Bahn der Linie S3 und macht sich auf den Heimweg.

In der Bahn fallen ihm einige deutsche Jugendliche auf. Er kennt die Jungs. Als Boutane eines Tages im Görlitzer Park unterwegs war, um sich bei einem Spaziergang von einer anstrengenden Woche zu erholen, hatten sie ihn angesprochen und ihm Marihuana angeboten. Boutane lehnte selbstredend ab. Er hat nur zwei Drogen, wie er sagt: Kaffee und deutsche Frauen. Boutane liebt deutsche Frauen, mit mehr als 15 hatte er nach eigenen Angaben schon ein Verhältnis bzw. einen One-Night-Stand.

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Auch deshalb kam er vor Jahren nach Berlin. Die Hauptstadt sei bunt, tolerant und weltoffen, hatte man ihm erzählt. Und es stimmte. Die von deutschen Männern, die dem Sozialstaat auf der Tasche liegen, frustrierten Frauen liefen ihm Reihenweise zu. Und Boutane machte sie alle glücklich. Für eine langfristige Beziehung reichte es bisher leider nicht, die längste Zeit war er mit einer jungen Deutschen aus dem Bezirk Friedrichshain zusammen – 2 Monate, dann endete das Glück. Ob er gern Kinder hätte, fragen wir den erfolgreichen Chirurgen. Auf jeden Fall, vielleicht habe er sogar schon welche, ohne es zu wissen, meint der Kongolese. Auf einigen Partys hätte er ungeschützten Verkehr mit deutschen Frauen gehabt, die er danach nie wieder gesehen habe. Doch es sehnt ihm nach einer richtigen Beziehung, vielleicht sogar einer Ehe. Boutane ist zuversichtlich, dass es ihm bald gelingen wird, die Frau fürs Leben zu finden – die Auswahl ist in Berlin jedenfalls groß.

Diesmal sprechen ihn die Jungs in der Bahn nicht auf Drogen an, vielleicht erinnern sie sich, dass er ihr Angebot vor Kurzem ablehnte. Oder sie trauen sich nicht – die S-Bahn ist immerhin videoüberwacht. Boutane ist froh, dass er den Heimweg ohne größere Probleme bewältigen kann. Das war nicht immer so. Eines Tages hätten ihm einige Neonazis aufgelauert, die ihn verprügeln wollten. Doch die Polizei war in der Nähe und konnte schlimmeres verhindern. Dies sei jedoch der einzige Vorfall gewesen, meint Boutane – und der sei schon Jahre her. Berlin ist seitdem noch weltoffener und bunter geworden und das genießt Boutane sehr.

Es ist kurz nach 22 Uhr als der Chirurg endlich an seiner Endhaltestelle angekommen ist. Beim Ausstieg sticht ihm eine Geldbörse ins Auge, die in der Haltestelle liegt. Es ist kein weiterer Fahrgast weit und breit zu sehen. Boutane wirft einen Blick in das Portemonnaie und traut seinen Augen kaum. Mindestens zehn 500-Euro-Scheine stecken in der prall gefüllten Geldbörse. Gleich am Montag wird Boutane M. noch vor seiner Schicht in die Bahn steigen und die Geldbörse im Zentralen Fundbüro am Platz der Luftbrücke abgeben. Es ist ein großer Umweg für den Chirurgen und nimmt viel Zeit in Anspruch. Doch das ist es Boutane wert. Er hofft, dass der Besitzer sein Portemonnaie dort abholt und prahlt nicht öffentlich mit seiner guten Tat. Es genügt Boutane, dass sein Gewissen ihm sagt, das Richtige getan zu haben.

Und tatsächlich. Am Dienstag sollte der Besitzer seine Geldbörse überglücklich im Fundbüro in Empfang nehmen. Boutane bekommt von alldem nichts mit. Er befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder mitten in einer komplizierten Operation. Es sieht alles danach aus, als würde es wieder ein 12-Stunden-Tag oder gar länger. Doch Boutane liebt seinen Job und die Patienten lieben ihn.

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