Abgesehen von den Atomraketen ist der US-Dollar die gefährlichste Waffe Washingtons. In Übersee gibt es sogar einen speziellen Begriff, mit dem die Nutzung des Dollar-Systems als Instrument zur Unterdrückung anderer Länder bezeichnet wird: „weaponization of the dollar“.

Mehr noch: Es gibt verschiedene Arten der „Dollar-Waffen“, und die Sanktionen in Form des Abschaltens eines Landes von Dollar-Transaktionen sind nicht die effektivste von ihnen. Washington setzt bisweilen den so genannten „Dollar-Staubsauger“ ein, der schon häufiger seine maximale Effizienz gegen die Entwicklungsländer unter Beweis stellte.

Der Kollaps des Dollars
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Der „Dollar-Staubsauger“ funktioniert wie folgt: Wenn es in der Welt zu wirtschaftlichen Turbulenzen kommt oder wenn in den USA die Leitzinsen erhöht werden, fließt Kapital aus aller Welt, von der Angst oder Gier ihrer Besitzer getrieben, in Richtung Amerika und provoziert nebenbei den Zusammenbruch der Währungen  von Entwicklungsländern und ein Investitionsdefizit dort. Damit stoßen diese Länder auf Probleme bei der Tilgung ihrer Schulden in Dollar.

Wenn man sich die Kapitalbewegung auf dem Globus ansieht, kann man den Eindruck gewinnen, dass in New York bisweilen ein „Trichter“ entsteht, der Dollar aus aller Welt „hinein zieht“. Dieses Phänomen ist seit langem bekannt, und die Amerikaner haben mit der Zeit gelernt, es als Instrument nicht nur zur wirtschaftlichen Eindämmung der Konkurrenz, sondern auch zur Unterstützung der eigenen Wirtschaft einzusetzen.

Wenn Washington bis zuletzt die ganze Welt zu Investitionen in die US-Wirtschaft zwingen wollte, genügte es ihm, irgendwo einen geopolitischen Schock zu provozieren oder die Zinssätze für US-Staatsanleihen anzuheben – oder beides zusammen.

Aber inzwischen stellen amerikanische Finanzexperten fest, dass sich die Situation für die USA negativ entwickelt: Der „Dollar-Staubsauger“ ist offenbar kaputt gegangen. Denn ausländische Investoren kaufen immer weniger US-Staatsanleihen. Hinzu kommt, dass viele Länder im gegenseitigen Handel in letzter Zeit auf US-Dollar allmählich verzichten.

„Der Kauf von US-Staatsanleihen durch Ausländer geht zurück, und das ruft Besorgnisse auf den Finanzmärkten hervor“, schrieb neulich das „Wall Street Journal“. „Der Weggang der Investitionen löste eine Preissenkung für die Obligationen aus und brachte den neunjährigen Trend zum Preisanstieg für (amerikanische) Aktien ins Wanken.“

Der „Streik“ der ausländischen Käufer „kreuzte” sich mit dem Vorgehen Russlands und teilweise Chinas, die sich intensiv darum bemühten, ihre Investitionen in Dollar loszuwerden.  Deshalb hat Washington nicht sehr viel Zeit, um das plötzlich entdeckte Problem in den Griff zu bekommen: Schon im kommenden Jahr muss es noch mehr Staatsanleihen platzieren, um die zahlreichen Infrastrukturprojekte der Administration Donald Trumps zu finanzieren. Und diese Emission wird den Markt noch mehr unter Druck setzen.

Die Marktteilnehmer verstehen inzwischen selbst nicht mehr, wer diese Obligationen noch kaufen könnte, und ausländische Investoren infizieren inzwischen selbst ihre nordamerikanischen Kollegen mit ihrem Pessimismus. „Die Rentabilität der Staatsanleihen wächst nicht wegen eines gesunden Wirtschaftswachstums, sondern weil sie die Prämie für das Risiko widerspiegeln“, erläuterte der Devisenexperte Mark McCormick  von der Firma TD Securities gegenüber „Wall Street Journal“. „Die Menschen machen sich Sorgen darüber, wie zuverlässig der Dollar bleiben kann.“ Wenn schon ein dermaßen angesehenes Massenmedium aus der Branche wie „Wall Street Journal“ (WST) von den Besorgnissen der Investoren offen redet, kann man vermuten, dass die Situation wirklich schlimm ist.

Die WST-Redaktion macht auch kein Geheimnis aus ihrem Pessimismus und verweist auf das antiamerikanische Vorgehen ausländischer Finanzstrukturen: „Manche Zentralbanken, staatliche Investmentfonds  und globale Investoren werden Dollar los, um ihre Aktiva zu diversifizieren; manche andere glauben, dass sie ohnehin genug Dollar haben, um die wirtschaftlichen Turbulenzen zu überstehen.“

US-Präsident Trump beklagt sich auf Twitter sowie in seinen Interviews über das Vorgehen des Federal Reserve System (US-Zentralbank), das nach seiner Auffassung die nationale Wirtschaft zerstört. Aber nicht alle Branchenkenner sind mit der These einverstanden, dass für die Probleme nur die Notenbank verantwortlich ist.

David Rosenberg, früherer Chefökonom der nordamerikanischen Abteilung der Bank Merrill Lynch, der jetzt dieselbe Rolle beim kanadischen Investmentfonds Gluskin Sheff spielt, wandte sich via Twitter an Präsident Trump: „Ja, Sie können die Leitung des Federal Reserve beschuldigen. Und sagen Sie niemandem, dass sich der Kauf der US-Anleihen in diesem Jahr halbiert hat. Verheimlichen Sie lieber auch, dass der Dollar-Anteil der globalen Devisenreserven auf seinen fünfjährigen Tiefpunkt, auf 62,5 Prozent, geschrumpft ist. Der US-Dollar ist als globale Basiswährung fast am Ende.“

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In diesem Kontext tauchte in internationalen Medien und sozialen Netzwerken plötzlich ein auffallender Bericht der japanischen Finanz-Website QZ auf. Diesem zufolge ist der Anteil der Geldüberweisungen in US-Dollar durch das SWIFT-System von 43,9 Prozent 2015 auf 39,8 Prozent 2017 gefallen. Zum Vergleich: Auf den Euro entfielen 2015 nur 29,4 Prozent und 2017 schon 35,7 Prozent. Also kommt die globale Dominanz der amerikanischen Währung kaum noch infrage, weil der Unterschied zu der europäischen Einheitswährung lediglich vier Prozent beträgt. Und noch wichtiger ist, dass sich der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker höchstpersönlich für die allmähliche Befreiung der Alten Welt von der US-Währung ausgesprochen hat.

Diejenigen, die an die weitere Hegemonie der USA glauben, haben ein aus ihrer Sicht wichtiges Gegenargument: Sie glauben, dass die amerikanischen Investoren reich genug sind, um die Staatsanleihen, die die Trump-Administration auf den Markt bringen wird, und zudem auch die Obligationen, die die Ausländer eventuell loswerden wollen, zu kaufen.

Aber selbst wenn das so sein sollte, würde eine solche Umorientierung der Investoren dazu führen, dass der amerikanische korporative Sektor, der ohnehin in Krediten versinkt und immer neue braucht, kein Geld mehr bekommen würde.  Damit wären die US-Unternehmen nicht in der Lage, ihre aktuellen Kredite zu tilgen.

Firmen wie Tesla oder Netflix können nicht genug Gewinne generieren (eigentlich müssen sie permanent Verluste tragen), um ihre akuten Schulden zu begleichen – um neue Kredite aufzunehmen. Falls der „Dollar-Staubsauger“ nicht funktionieren sollte, könnte das die US-Wirtschaft einfach erwürgen.

Ob das Trump persönlich und Amerika im Allgemeinen gut tun würde? Das ist sehr fraglich.

Man könnte sich für diejenigen freuen, die der US-Hegemonie müde sind. Allerdings gibt es eine Nuance: Sollte das Establishment über dem Großen Teich endgültig zu dem Schluss kommen, dass die traditionellen Methoden zur Lösung der amerikanischen Probleme nicht mehr funktionieren, könnte Washington auf ultimative Methoden zurückgreifen, um seine Hegemonie aufrechtzuerhalten, und zwar auf Gewalt.

Und dabei kann man Washington nur durch russische Investitionen in die wohl beste geopolitische Absicherung behindern: in die russischen Atomwaffen. Andere Methoden zur „Abkühlung“ der egoistischen Elite in Übersee gibt es leider nicht.

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1 Kommentar

  1. Den US Dollar gibt es so gesehen seit 1991 nicht mehr, denn da Trat die FDR/Federal Reserve Bank in Aktion. Somit sind die Amerikaner genauso wie wir deutschen kein Souveräner Staat mehr und wer jetzt noch dabei bedenkt dass die UDSSR und die Nazis beiderseits Finanziert worden sind durch so genannte Banker der kann sich selbst aussuchen wer zurzeit die Macht hat, bei Donald Trump der erste Amerikanische Präsident den ich jemals wirklich Respektiert habe ( und das liegt sicherlich nicht an seinem Buch (How to be Rich)) finde ich das die Amerikaner eine gute Wahl getroffen haben. Auch mit der so genannten Russen Einmischung, was Wahr und was Falsch ist dazu habe ich kein Recht auskunft zu geben, aber vermutlich wurde dies vom allseits bekannten Klan ausgeübt. Wir wissen ja mittlerweile alle wie diese Leute vorgehen, mich haben diese Penner immerhin auch angefahren (natürlich Vermutung(da ich es nicht eindeutig Beweisen kann)).

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