Es liegt in der Natur des Kapitalismus und seiner „Wachstum-um-jeden-Preis“-Ideologie, dass sich das Kapital im fortgeschrittenen Stadium des kapitalistischen Systems immer weiter in immer weniger (privaten) Händen konzentriert und am Ende zu einem einzigen Monopol zusammenwächst, mit dessen Hilfe man die Gesamtheit aller Einzelvermögen samt Volkswirtschaft viel leichter kontrollieren kann.

Dass wir uns auf dem besten Wege hin zu diesem Zustand befinden, beweist aktuell ein Symptom, das immer häufiger durch die Nachrichten geistert. Das große Sterben der Volks- und Raiffeisenbanken. Diese Genossenschaftsbanken wurden einst im 19. Jahrhundert als staatliche Alternativen zu den international verflochtenen, privaten Großbanken gegründet und waren dafür gedacht, auch kleinen Leuten und der ländlichen Bevölkerung die Möglichkeit auf Kredite und Vermögensbildung zu gewähren.

So kam es, dass bald fast jedes Dorf seine eigene, ortsverwurzelte, genossenschaftliche Raiffeisenkasse hatte, die ihren Anlegern und Kunden vor allem Schutz vor Renditejägerei und Spekulationsgeschäften bot und Geldwertstabilität garantierte. Das gegenseitige Vertrauen zwischen den kleinen Regionalbanken und ihren Kunden sorgte für jene wichtige Bodenhaftung, die in der Zeit des anonymisierten und globalisierten Kapitalverkehrs zu späteren Zeiten fast vollständig fehlte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte in Deutschland bereits der erste große Privatisierungs- und Deregulierungsfeldzug ein, um den staatlichen und genossenschaftlichen Bankensektor zunehmend der Herrschaft der internationalen Geld- und Bankenmächte auszuliefern. Heute ist von dem Genossenschaftsprinzip im Bankwesen nicht mehr viel übrig geblieben. Seit Jahrzehnten läuft die Entwicklung auf eine beschleunigte Fusion der einst weit über das Land gestreuten Kleinbanken hinaus.

Die Banker Satans
Buchtipp zum Thema: „Die Banker Satans“

Allein in Bayern hat es im Jahr 2017 16 solcher Zusammenschlüsse gegeben, in diesem Jahr sollen es, laut Einschätzung des Genossenschaftsverbands (GVB) in München, acht werden. Hat es in der Alt-BRD 1970 noch 7.096 Volks- und Raiffeisenbanken gegeben, waren es 2000 bereits nur noch 1.794 und im vergangenen Jahr gerade mal noch 915. Dabei entfremden sich die übrig gebliebenen Volksbankinstitute immer mehr ihrer einstigen Kernaufgabe, ein bodenständiger und verlässlicher Partner für die einfache Bevölkerung zu sein. Meist bleiben an den alten Standorten nur noch Zweigstellen der Banken übrig, die zunehmend mit ortsfremden Personal besetzt werden.

Auch treiben die, von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde verursachten hohen Fixkosten für die Aufsicht über die Bankgeschäfte immer mehr Kleinbanken zur Vergrößerung und Fusionierung. Obwohl private Großbanken ein viel höheres Krisenrisiko tragen, müssen diese keine höheren Aufsichtskosten entrichten als regionale Genossenschaftsbanken. Dazu kommt die wachsende Renditegier jener, ursprünglich rein genossenschaftlicher Banken. Dabei bewegen sich die Geldinstitute in größere, globalisiertere Kapitalmärke hinein, die sie weniger gut kennen und geraten dort in Folge des Verzockens in Krisen.

Ein gutes Beispiel hierfür lieferte der Zusammenbruch und Notverkauf der Sächsischen Landesbank im Jahr 2007, was auch dem Steuerzahler teuer zu stehen kam. Gerade diese mittelgroßen Institute, die aus der Fusion kleiner Volks- und Regionalbanken hervorgehen, treibt die Gier nach noch mehr Gewinn an, sich auf das große Parkett der internationalen Finanzjongleure zu wagen, wo sie dann krachend scheitern. Das alles geschieht natürlich auf Kosten vieler bodenständiger Kleinanleger, die in den Genossenschaftsbanken einst eine sichere Festung vor Finanz- und Wirtschaftskrisen fanden und nun der kapitalistischen Spielhölle auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind.

Keinen Beitrag mehr verpassen: Jetzt AnonymousNews auf VKontakte abonnieren!

AnonymousNews kann nur mit Deiner Hilfe überleben. Vielen Dank für Deine Unterstützung!

Kommentar schreiben

Bitte gib Deinen Kommentar ein
Bitte gib Deinen Namen hier ein