Der Messenger Telegram hat in Fachkreisen einen schlechten Ruf, ist bei Laien aber eine beliebte Wahl für «sichere» Kommunikation.

Nun sorgt die Datenschutzerklärung, die am 14. August 2018 erheblich erweitert wurde, für Aufregung. In der neuen Ziffer 8.3 heisst es ausdrücklich, dass Telegram die IP-Adresse und Telefonnummer von «Terrorverdächtigen» gegenüber Sicherheitsbehörden offenlegen kann:

«If Telegram receives a court order that confirms you’re a terror suspect, we may disclose your IP address and phone number to the relevant authorities.»

Im gleichen Abschnitt schreibt Telegram, das sei bislang noch nie geschehen. Sollte es geschehen, werde man im halbjährlichen Transparenzbericht darüber informieren:

«So far, this has never happened. When it does, we will include it in a semiannual transparency report […].»

(Bislang ist unter der verlinkten Internet-Adresse https://t.me/transparency noch gar kein Transparenzbericht vorhanden. Was Telegram unter einer «terrorverdächtigen» Person versteht, wird nicht nicht erläutert.)

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Telegram erklärt unter anderem, man wolle Terroristen von der Verwendung von Telegram abschrecken. Ausserdem habe man aufgrund der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) die Datenschutzerklärung erweitern müssen, was in Bezug auf «Terrorverdächtige» aber nicht glaubwürdig ist.

In jedem Fall muss man davon ausgehen, dass Telegram – wie jedes Internet-Unternehmen – im Zweifelsfall mit den Sicherheitsbehörden kooperiert beziehungsweise kooperieren muss. In vielen Fällen darf ein Internet-Unternehmen zumindest vorläufig nicht darüber berichten, möchte das aber häufig auch gar nicht, weil man damit die eigenen Nutzer abschrecken würde.

Edward Snowden warnt vor Telegram, Bruce Schneier empfiehlt Signal

Unter anderem warnt Whistleblower Edward Snowden vor der Verwendung von Telegram. In Deutschland wurde schon vor einigen Jahren bekannt, dass das Bundeskriminalamt (BKA) bei Telegram mitlesen kann und erst vor einigen Monaten sorgte einmal mehr eine gravierende Sicherheitslücke in Telegram für Schlagzeilen.

Sicherheitsexperte Bruce Schneier empfiehlt die Verwendung von Signal und – wenn man sich nicht mit der Signal-App auf dem Smartphone verdächtig machen möchte – die Verwendung von WhatsApp:

«[…] If you want secure messaging, use Signal. If you’re concerned that having Signal on your phone will itself arouse suspicion, use WhatsApp.»

Ob WhatsApp eine sichere Alternative ist, bleibt zu bezweifeln. Da sich WhatsApp im Besitz des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg befindet, ist eher davon auszugehen, dass eine Kooperation mit den Behörden sehr wahrscheinlich ist, wie diverse Fachleute meinen.

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