Die Frage der Bedeutung unserer Gene für unsere Entwicklung im Verhältnis zu Umweltfaktoren ist umstritten. Von links-grünen Extremisten wird sogar jede Bedeutung abgestritten. Nun haben Studien der Forscher Robert Plomin und Kevin Mitchell festgestellt, dass Gene doch einen stärkeren Einfluss auf unsere Entwicklung haben, als bislang angenommen. Nach Plomin ist Abstammung entscheidend für 50 Prozent unserer psychologischer Unterschiede, von der Persönlichkeitsentwicklung bis hin zu mentalen Fähigkeiten. Von den restlichen 50 Prozent entfallen 40 Prozent auf Zufälle und nur 10 Prozent auf das soziale Umfeld.

Nach 1945 galt es als unaussprechlich, dass unsere Gene unsere Entwicklung beeinflussen. Stattdessen hatte die Milieutheorie Hochkonjunktur, die besagt, dass Kinder, die in einer armen Familie aufwachsen, deshalb einen niedrigeren Bildungsgrad haben, während Kinder wohlhabender Eltern bessere Chancen haben, einen hohen Bildungsgrad zu erreichen. Besonders konsequent wurde die Bedeutung von Abstammung von dem Psychoanalytiker Sigmund Freud negiert. Die von ihm begründete pseudowissenschaftliche Psychoanalyse beruht auf einer äußerst knappen Datenlage. Dennoch sind seine Anhänger heute äußerst dominant. Seine Thesen gelten, obwohl fachlich mehr als umstritten, heute fast schon als Gesetz.

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Kein Wunder, denn die Rolle der Abstammung ist eine höchst politische Frage. Thilo Sarrazin gilt unter den Genossen seiner Partei auch deswegen als so untragbar, weil er die linke Idee, Armut allein durch höhere Bildungsausgaben zu bekämpfen, ablehnt. Außerdem zeigt die Bedeutung der Gene auf, dass Frauenquoten, oder Quoten für Schwarze nicht den gewünschten Erfolg bringen können. Es ist nicht die Gesellschaft, die schuld ist, dass sich Frauen für andere Berufe entscheiden als Männer. Und die Gesellschaft kann auch nicht dafür sorgen, dass alle Kinder gleich schlau sind.

1994 erschien mit „The Bellcurve“ in den USA erstmals ein wissenschaftliches Werk, dass insbesondere die Bedeutung von Vererbung für den Intelligenzquotienten hervorhob. In einer Petition unterstützte auch Plomin das Werk. Die provokanteste These der Studie war, dass in den USA Angehörige verschiedener Rassen einen unterschiedlichen Intelligenzquotienten haben. So sind beispielsweise Asiaten intelligenter als Weiße, Weiße wiederum intelligenter als Schwarze. Dabei stellten sie fest, dass diese Unterschiede nicht allein mit Umweltunterschieden (also dem sozialen Umfeld) zu erklären seien.

Heute ist die Genetik noch einmal deutlich evidenzbasierter, denn die Datenlage ist heute deutlich breiter. Das hängt zum Beispiel damit zusammen, dass immer mehr Menschen sich mit ihren Ahnen beschäftigen und Genproben an Institute schicken, die genetische Abstammung ermitteln. Auch Plomin hat jahrzehntelange Forschungserfahrung. Er ist spezialisiert auf die Entwicklung von Zwillingen. Durch seine Arbeit hat er festgestellt, dass Zwillinge, die voneinander getrennt leben, eine erstaunlich ähnliche Entwicklung nehmen. Studien belegen Ähnliches auch für Adoptivkinder im Verhältnis zu ihren leiblichen Eltern.

Gute Beispiele für die Bedeutung der Abstammung ist beispielsweise die Liebe zum Sport. Ist jemand in einem Fußballverein, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er ein besserer Fußballer wird als jemand, der keinem Verein beitritt. Doch wahrscheinlich ist auch, dass er dem Verein ohnehin nur beitritt, weil er sportlich veranlagt ist. Es ist klar, dass jemand mehr liest, wenn er als Kind viel vorgelesen bekommt. Aber es ist denkbar, das für den ursprünglichen Wunsch viel vorgelesen zu bekommen, die Vererbung verantwortlich ist.

Plomin wurde in einem Interview mit der Zeitung „The Guardian“ gefragt, warum er erst jetzt, nach 30 Jahren Forschung, seine Ergebnisse präsentiert. Er antwortete: „Aus Feigheit“. Es war lange Zeit zu gefährlich über die genetischen Ursachen von Unterschieden bei Verhaltensweisen zu forschen und darüber Artikel in wissenschaftlichen Journalen zu veröffentlichen. „Artikel über Genetik – ich meine, das war in den 1970ern wirklich verboten. Alles war umweltabhängig. Es wurde angenommen, dass sogar die Schizophrenie auf das zurückzuführen ist, was deine Mutter in den ersten Lebensjahren gemacht hat. Es erscheint jetzt lächerlich, aber das war damals die Lehrmeinung. Und Genetik zu erwähnen, das war einfach undenkbar.“

Auch heute noch hängen viele an alten Paradigmen. So der Psychologe Oliver James. Er kritisiert die Arbeit Plomins und sagt „an der Genetiksache festzuhalten, birgt keine Hoffnung“. Auf die Frage der „Guardian“ Report, was James Plomin fragen würde, sagte dieser: „Er wolle wissen, was es für Plomin nötig machen würde zu akzeptieren, dass „genetische Varianten wenig oder gar keinen Anteil daran haben, die Übertragung menschlicher psychologischer Eigenschaften von Eltern auf Kinder zu erklären?“

Plomin konnte, mit der Aussage James konfrontiert, nur mit den Augen rollen: „Zeigen Sie mir eine Studie, die keine genetischen Einflüsse findet. Sie können nicht einfach sagen: „Oh, Eltern ähneln ihren Kindern und ich denke, das hängt von ihrer Umwelt ab“. Mit der DNA müssen Sie jetzt diesen polygenen Score nehmen, der in 20 Studien aufgezeigt wurde, um den Bildungsstand vorherzusagen, und mir zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Oliver kommt aus dem reinen psychoanalytischen Freudschen Zeug, wo das ganze Konzept ohne Daten aufgebaut wurde.“

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Der Ire Kevin Mitchell hingegen hält in seiner Forschungsarbeit fest, dass als gesichert angesehen werden kann, dass sich die Gehirne von Frauen und Männern unterscheiden. Die Gehirne von Männlein und Weiblein unterscheiden sich schon kurz nach der Geburt. Das gilt auch für das Verhalten. Feststellen lässt sich das grade in besonders gleichberechtigten Ländern. So wählen in Skandinavien beispielsweise deutliche weniger Frauen einen IT-Beruf als Frauen in arabischen Ländern.

Dennoch wurden die hochpolitischen Thesen natürlich nur mit einem großen „Aber“ präsentiert. Rückschlüsse auf die Entwicklung von Völkern oder Rassen könne man daraus dennoch nicht ziehen. Für Gruppen, wie beispielsweise die Schwarzen in Amerika, gelte nach wie vor, dass deren Lage allein auf die lange Zeit der Diskriminierung zurückzuführen sei. Warum Abstammung zwar beim Individuum bedeutend sein soll, sich aber in Ethnien wieder aufheben soll, lässt sich wohl nur mit dem Zeitgeist begründen.

Es ist ähnlich paradox, wie Linke Darwins` Evolutionstheorie anerkennen können und zeitgleich festhalten wollen, dass der Mensch davon ausgenommen sei. Überall in der Natur gibt es Rassen, nur der Mensch hat sich seit seinem erstmaligen Auftreten als Spezies nicht mehr verändert. Der Mensch könne sich nur gemeinsam entwickeln und nicht in unterschiedliche Richtungen. Es wird bei vielen wohl noch lange dauern, bis die Zeit der Erkenntnis gekommen ist.

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3 Kommentare

  1. fängt ja schon mit der Ernährung an, wenn es kein Jod usw. gibt in der Nahrung, dann verblöden die Kinder haben keine Chance, wie in Kasachtan, Nord Albanien und dem Kosovo, Afrika. Asiaten essen Fisch, da sind besonders viele wichtige Nahrungs Stoffe mit.

    • Tut mir leid, aber ich esse keinen Fisch, habe sogar eine Fischallergie. Alles was „weißes Fleisch“ in der Tierwelt besitzt, und auch keine 4 Beine hat ist für den Menschen nur schädlich (Fisch, Geflügel).Demnach müßten die Friesen, Schleswig-Holsteiner oder in Meck-Pomm besonders schlau sein, da sie ja mehr Fisch essen. Ist aber nicht so!

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