In der Statistik der Versicherungswirtschaft nimmt die Region Berlin-Brandenburg eine unrühmliche Spitzenstellung ein. Unter den deutschen Großstädten ist Berlin der Spitzenreiter beim Autoklau. Brandenburg hat wiederum bei den Flächenländern die höchste Diebstahlrate.

von Norman Hanert

Wie aus Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht, hatte Berlin im bundesweiten Vergleich die mit Abstand höchste Diebstahlrate. Im Laufe des Jahres 2017 wurden in der deutschen Hauptstadt 3355 Pkw gestohlen. Die Diebstahlquote lag damit bei 3,6 von 1000 kaskoversicherten Wagen. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegt die Quote bei 0,5, für Bayern und Baden-Württemberg wurden gar Quoten von nur 0,1 ermittelt. Neben Berlin muss auch Brandenburg als eine Hochburg des Autodiebstahls in Deutschland gelten. In keinem anderen deutschen Flächenland verschwinden so viele Personenwagen wie in Brandenburg.

Laut Polizeistatistik ist es im Jahr 2017 in Brandenburg zu 2513 Autodiebstählen gekommen. Der gibt für Brandenburg die Zahl von 1531 Autos an, die 2017 entwendet wurden und die gegen Diebstahl versichert waren. Die Diebstahlquote lag damit bei 1,4 pro 1000 Autos. Der Wert der in der Mark gestohlenen Wagen wird mit durchschnittlich 14900 Euro angegeben. Bundesweit lag der Wert im Schnitt bei rund 18500 Euro pro Fall.
Ein ähnliches Bild hat bereits das Lagebild „Kfz-Kriminalität 2017“ des Bundeskriminalamts (BKA) geliefert. Laut den Daten des BKA waren die Diebstahlzahlen von Pkw in den beiden Großstädten Berlin und Hamburg am höchsten. Die BKA-Zahlen zeigten allerdings auch ein Ost-West-Gefälle auf. Prozentual gesehen werden in den östlichen Bundesländern deutlich häufiger Autos gestohlen als in anderen Teilen der Bundesrepublik.

Berlin und sein Umland bieten aus Sicht der Kriminellen ideale Voraussetzungen: Die polnische Grenze an der Oder ist innerhalb von 60 Minuten zu erreichen; dazu bietet die Millionenstadt zahlreiche Gelegenheiten, begehrte Fahrzeuge zu stehlen. Hoch im Kurs stehen bei den Autodieben deutsche und japanische Premiummarken, hochwertige SUV und Geländewagen.

Bestimmte Fahrzeugtypen stehlen organisierte Langfinger dabei zum Teil sogar auf Bestellung von ausländischen Abnehmern. Selbst ältere Fahrzeuge sind im Visier der Diebesbanden. Oft zerlegen die Diebe ältere Automodelle in Einzelteile, die sie dann auf dem Markt für Ersatzteile verkaufen.

Bei den Tätern handelt es sich meist um Mitglieder osteuropäischer Banden, die gut vernetzt sind und arbeitsteilig vorgehen. Kuriere fahren die gestohlenen Autos in Richtung Polen, zum Teil verladen sie die Fahrzeuge aber auch auf Lkw und transportieren sie darin ins Ausland. Abnehmer finden die gestohlenen Fahrzeuge in Osteuropa, auf dem Balkan, im Nahen Osten und in Nordafrika.

Im Kampf gegen den Autoklau setzt die Polizei in Berlin und Brandenburg auf Kooperationen mit Kollegen aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern. Der Erfolg fällt allerdings mäßig aus. Zwar gehen immer wieder spektakuläre Fahndungserfolge durch die Medien.

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Allerdings lässt sich mit einiger Berechtigung nur von positiven Einzelfällen reden. Insgesamt liegt die Aufklärungsquote nämlich seit Jahren unter der Zehn-Prozent-Marke. Wird ein Fahrzeug gestohlen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es schnell außer Landes gebracht wird.

Speziell in Brandenburg könnte sich die Ausweitung von Schleierfahndungen als ein wirksames Mittel im Kampf gegen Autodiebstähle erweisen. Bislang sind solche verdachtsunabhängigen Kontrollen nur in einem 30-Kilometer-Korridor entlang von Oder und Neiße erlaubt. Ein Entwurf eines neuen Polizeigesetzes für Brandenburg, den Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) vorgelegt hat, sieht die Möglichkeit vor, dass Schleierfahndungen künftig an allen Durchgangsstraßen des Bundeslandes durchgeführt werden können. Brandenburgs Landtag wird über das neue Polizeigesetz im Laufe des November beraten.

Einstellen müssen sich die Polizeibeamten allerdings darauf, dass Autodiebe zunehmend sehr aggressiv auftreten, wenn sie in Fahndungsmaßnahmen geraten. Ein besonders schwerer Fall wurde etwa im Frühjahr dieses Jahres vor dem Berliner Landgericht verhandelt.

Am Ende des Prozesses verurteilte das Landgericht einen 29-jährigen Polen unter anderem wegen versuchten Mordes und schweren Bandendiebstahls zu elf Jahren und sechs Monaten Haft. Nebenkläger war bei dem Prozess ein Berliner Polizeibeamter, den der Autodieb bei einem Fluchtversuch mit einem gestohlenen Wagen rund 70 Meter weit mitgeschleift und dabei beinahe getötet hatte.

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