Seine grenzenlose Güte zeigte der als heißer Kandidat für die Merkel-Nachfolge gehandelte Friedrich Merz, als ein Obdachloser sein Notebook gefunden und ehrlicher Weise beim Bundesgrenzschutz abgegeben hatte. Multimillionär Merz zeigte sich außerordentlich großzügig und ließ dem ehrlichen Finder … ein Buch zukommen.

von Bernd Rüdiger

Als Enrico J. im Jahr 2004 an einem Taxistand am Berliner Ostbahnhof ein Notebook fand, war er obdachlos, verdiente sein Geld mit dem Verkauf des „Straßenfegers“, einer Berliner Straßenzeitung, die im Juni dieses Jahres eingestellt wurde. Was er damals nicht sofort wusste: Das Notebook gehörte dem damaligen stellvertretenden CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz.

Er habe darin „ein bisschen rumgestöbert“, verrät J. jetzt in einem Interview mit der „taz“. „Plötzlich hatte ich die Handynummern von wichtigen Politikern vor mir: Gerhard Schröder, der damals Bundeskanzler war, Angela Merkel, Edmund Stoiber, Theo Waigel und viele andere. Da dachte ich mir: Oh, das Ding ist heikel“, erinnert er sich. Nach der Erkenntnis gab der heute 53-Jährige das Notebook beim Bundesgrenzschutz ab, der damals am Ostbahnhof saß. „Ich hätte das Ding auch auf dem Schwarzmarkt verkaufen können, da waren sämtliche Daten der Bundesregierung drauf. Als Adresse habe ich beim Bundesgrenzschutz die der damaligen Obdachlosenhilfe angegeben“, erzählt er.

Gut einen Monat später habe sich der Politiker und Anwalt bei dem ehrlichen Finder bedankt. Doch die Art des Dankes stieß bei J. auf Unverständnis. Merz ließ ihm sein neues Buch mit dem Titel „Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion – Kursbestimmung für unsere Zukunft“ zukommen. Mit der Widmung: „Vielen Dank an den ehrlichen Finder“. „Das fand ich echt total unverschämt“, verrät Enrico J. heute. „Ich habe das Buch sofort in die Spree geschmissen. Er wusste ja von der angegebenen Adresse genau, dass ich obdachlos war, doch ihm war das nicht mal einen Cent wert. Richtig scheiße.“

Die Herrschaft des Unrechts
Buchtipp: „Die Herrschaft des Unrechts“

Er finde nicht, dass Merz ihm hätte Geld geben sollen, sagt J. „Aber er hätte einfach Kontakt suchen können. Er hätte einfach mal vorbeikommen und sich ordentlich bedanken können. Immerhin habe ich verhindert, dass geheime Infos über wichtige Politiker in die falschen Hände geraten.“

Als er von Merz‘ Plänen erfuhr, für den Bundesvorsitz der CDU zu kandidieren, habe er sich an „diese Abzock-Aktion“ erinnert. „Mir und meinem Kumpel kann er nichts gönnen und jetzt macht er wieder auf dicke Hose. So reich ist er geworden und zählt sich ernsthaft zur Mittelschicht“, erzählt J. Heute lebt Enrico J. nicht mehr auf der Straße. Er hat ein regelmäßiges Einkommen und lebt mit seiner Lebensgefährtin in Berlin.

Eine mediale Aufarbeitung der Geschichte gab es seinerzeit übrigens nicht. Man stelle sich einmal vor, ein Flüchtling hätte das Notebook gefunden. Den Rest kann sich jeder denken.

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7 Kommentare

  1. Wie BLÖD muß man eigentlich sein, um so einen Laptop wieder zurück zu geben ???????
    Mir fällt dazu nur ein Grund ein….. man muß wirklich SCHEISSE im Hirn haben !

  2. Materialwert des Buchs (reine Druckkosten) sind etwa 1€ – 1,30 €
    Gebraucht gibt es das Buch derzeit für 2,60 €
    Kosten für Merz für das Buch vermutlich 0,– €, da Autoren immer Freiexemplare bekommen.

  3. Boah, hätte ich das Notebook gefunden, dann hätte der asoziale Merz ausgeschissen !!!
    Solch eine Chance hätte ich nicht so billig abgegeben, ich kenne mich mit IT-Technik seit gut 30 Jahren aus.
    Leider war das mit dem Obdachlosen keine Gutmütigkeit, sondern absolute Dummheit !
    Solch Polit-Schnösel wie der Merz sind doch mit Schuldig daß Arme Menschen immer ärmer werden.
    Und da man als Obdachloser keinen festen Wohnsitz hat, wäre es ziemlich Einfach solche Daten zunutzen.
    Schade um den ehrlichen Finder, nun weiß er einmal mehr daß man solche Minusmenschen wie Merz nur erbarmungslose Luftpumpen sind, und mit dem unnützen Buch hätte ich ein Feuerchen gemacht.

  4. Merz wird ohnehin kein Parteivorsitzender. Das erledigt, medial gepusht und von
    Volksverräterin Merkel favorisiert, der Merkelklon, das Sams aus dem Saarland.
    Und dann heißt es : weiter so ! Fachkräfte kommt alle rein , chillen, kiffen,andere arbeiten lassen und Handy spazieren tragen. Made in Germany bezieht sich dann nur noch auf die Brut der ehemaligen Melonenverkäufer . Germany ist voller Maden. Den Faulstich rausschneiden. Radikal !

  5. Wieso hat dieser Dämlack das Ding nicht einem Enthüllungsjournalisten gegeben? Das wäre ein Spaß geworden und hätte vielleicht für ein politisches Erdbeben gesorgt!

    Denn wenn man ehrlich und aufrichtig zu diesen Schurken ist, dann sieht man ja, was dabei herauskommt!

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