Der Kardinal George Pell, bis vor Kurzem Herr über die Finanzen des Vatikans, ist ein verurteilter Kinderschänder. Es scheint jedoch niemanden zu interessieren, dass sich wieder ein hochrangiges Kirchenmitglied an Kindern vergangen hat. Seiner Karriere schadete sein widerwärtiges pädophiles Treiben jedenfalls nicht.

von Roscoe Hollister

Wie in der bundesdeutschen Politik, so scheint auch im Vatikan eine kriminelle Vergangenheit kein Hindernis für einen beruflichen Aufstieg zu sein. Barbara Ludwig ist ein schillerndes Beispiel für eine solche Karriere hierzulande. Dass sie einen Rollstuhlfahrer in einer Fußgängerzone totgefahren hatte, war nicht im Geringsten Anlass dafür, dass sie von der politischen Bühne abtreten musste. Nein, die SPD-Politikerin brachte es 4 Jahre nach ihrer Todesfahrt bis zur Oberbürgermeisterin der mitteldeutschen Stadt Chemnitz.

Kardinal George Pell hat zwar niemanden totgefahren, sich aber dafür – wen wundert es? – an mehreren Minderjährigen vergangen. Der heute 77-Jährige hatte bereits in den 70er Jahren die ersten Kinder sexuell missbraucht. In den 90ern legte er schließlich nach und zwang unter anderem zahlreiche Chorknaben in der Kathedrale von Melbourne zum Oralsex.

Seit Mai 2018 muss er sich deshalb ebenfalls in Melbourne einem Strafrechtsprozess stellen. Vor wenigen Tagen sprach ein Geschworenengericht den Kirchenmann schließlich schuldig. Das Urteil wird jedoch erst im Februar 2019 öffentlich gemacht. „Aus Australien selbst hört man nichts über den Prozessausgang. Und das hat einen Grund. Über das Urteil darf in den in Australien zugänglichen Medien nicht berichtet werden“, weiß blick.ch aus der Schweiz.

Obwohl die Missbrauchsfälle bereits seit Jahrzehnten bekannt waren, kam es erst jetzt zum Gerichtsprozess. Viel interessanter ist jedoch die Tatsache, dass es der beruflichen Karriere von George Pell keineswegs geschadet hatte, dass er sich sexuell an kleinen Kindern vergangen hatte.

Der Australier stieg in jungen Jahren zum Erzbischof in Sydney auf. Dafür ließ er seine Karriere als vielversprechender Football-Spieler sausen. Pells Aufstieg erreichte 2013 einen ersten Höhepunkt. Papst Franziskus berief ihn in den zuvor eingerichteten Kardinalsrat. Anfang 2014 machte der Pontifex Pell dann inoffiziell zur Nummer drei des Vatikans: Er beförderte Pell zum Leiter des neugeschaffenen vatikanischen Wirtschaftssekretariats, also zum Finanzchef.

Papst Fanziskus, der sich auch intensiv für die Überflutung Europas mit illegalen Migranten einsetzt, hatte bis zur letzten Sekunde zu Pell gestanden. Erst als sich im Oktober im laufenden Prozess abzeichnete, dass Pell definitiv verurteilt werden wird, zog der Papst die Reißleine und entließ den Kinderschänder aus dem Kirchenrat. Wären die Sexualstraftaten des Geistlichen nicht zur Anklage gekommen, säße er wohl noch heute an exponierter Stelle im Vatikan.

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