Deutschland

Offener Brief an Von der Leyen: „Was tun mit den Bildern meines Großvaters in Uniform?“

David Bergers Großmutter und ihr im Zweiten Weltkrieg gefallener Ehemann

Nach den neuesten Aktionen von Verteidigungsministerin Von der Leyen hat der Journalist und Theologe David Berger ein Problem: Wie soll er im Jahr 2017 auf sensible Weise seine 100-jährige Großmutter entnazifizieren? Die alte Dame, der es nicht gut geht, bewahrt noch Bilder ihres gefallenen Mannes in Wehrmachtsuniform auf.

Ein offener Brief an unsere Verteidigungsministerin von David Berger

„Sehr geehrte Frau von der Leyen,

wie ich gestern im „Spiegel“, dem „Sturmgeschütz der Demokratie“, in einer Kolumne des Journalisten Jakob Augstein lesen konnte, gehen sie nun mit eiserner Hand gegen „perverse Sex-Nazis und Wehrmachtsromantiker“ in der Bundeswehr vor. Er steht ganz an Ihrer Seite im Kampf gegen „perverse Sexrituale und Nazischrott in der Bundeswehr“. In diesem Sinne wurde wohl auch das Portrait von Bundeskanzler Helmut Schmidt aus der Bundeswehr-Uni in Hamburg entfernt, dass ihn in Wehrmachtsuniform zeigt.

So erfreulich dieser Kampf für das Gute ist, so schlaflos hat er meine Nacht gemacht. Ich will Ihnen kurz erklären warum:

Als ich den Beitrag von Herrn Augstein las, machte ich eine meiner Nachtwachen bei meiner schwer erkrankten Großmutter in Würzburg. Sie ist im letzten Jahr 100 geworden, hat als Trümmerfrau Deutschland wieder mit aufgebaut. Und drei Kinder als Witwe groß gezogen.

Da sind wir schon an dem Punkt der mir mehr Bauchschmerzen macht als die Frage, wann wir die nächsten Einlagen wechseln:

Über ihrem Bett hängt ein Bild, das ich Ihnen hier beilege. Unschwer ist sie darauf mit ihrem Mann zu erkennen. Und oh Schreck: der damals 21-Jährige trägt eine Uniform der Luftwaffe. Daneben ein weiteres Bild, das ihn ebenfalls in Uniform zeigt.

Daneben unter dem Schrank befindet sich eine alte Eduscho-Dose, in der meine Großmutter die Briefe meines Großvaters, die er ihr von der Front geschrieben hat, gesammelt hat. Sie erzählen von seiner Freude am Fliegen und über die Pakete von Zuhause, mit warmen Socken, fränkischen Würsten und den Fotos seiner beiden Töchter. Eine davon meine Mutter.

Sie erzählen davon, wie sein Flugzeug über dem Kanal im Winter abgeschossen wurde und er an der Lungenentzündung, die er sich im kalten Wasser fast geholt hätte, gestorben wäre. Der letzte Brief ist aus dem Ende des Jahres 1944 und kam aus Russland. Ob er den Brief, in dem sie ihm von der Geburt seines Sohne berichtet, erhalten hat, wissen wir nicht. Jedes Lebenszeichen danach blieb aus.

Meine Großmutter hat mir diese Briefe öfter vorgelesen, besonders im November bevor wir zum Kriegerdenkmal der Stadt liefen und dort an dem 1945er Kreuz für die vermissten Soldaten eine Kerze aufstellten und gebetet haben.

Sie hat von den Bombardierungen Würzburgs erzählt, wie sie mit den Kindern immer wieder in den Luftschutzkeller fliehen musste. Wie sie als Überlebende mit den Kinder durch die Ruinen Würzburgs lief – durch die Mauern einer einst stolzen Stadt am Main; einer der schönsten Barockstädte Deutschlands, die in einem völlig sinnlosen und daher auch unerwarteten Akt noch im März ’45 in Schutt und Asche gelegt wurde.

Ich weiß zwar, dass meine Großmutter – aufgrund ihrer engen Bindung an Katholizismus (ja, er war damals noch regierungskritisch!) und Bayernpartei – niemals eine Nationalsozialistin war. Aber was heißt das schon? Die AfD hat mit den Nazis ja auch nichts zu tun – und trotzdem tönte es, mit Unterstützung der Landesmutter, in ganz Köln während deren Bundestagung in der ganzen Stadt: „Kein Kölsch für Nazis!“ – Dennoch bin ich ratlos, wie ich mit meinen Sympathien für meine Großeltern umzugehen habe. Zumal ich als schwuler Mann nicht weiß, inwiefern ich durch ihren Kampf gegen „Perverse“ ohnehin schon mitbetroffen bin.

Daher meine Frage: Muss ich jetzt dieses schlechtes Gewissen haben, dass ich damals mit meiner Großmutter in den Erinnerungen mit-litt, dass ich meinen nie gekannten Großvater vermisste, dass ich mittrauerte, wenn in Würzburg alle Glocken dieser Stadt am 16. März läuteten, um an den Beginn des Feuersturms und der fast vollständigen Zerstörung Würzburgs zu erinnern?

Da sie aber derzeit im Rahmen des Entnazifizierungs-Kreuzzugs alles einsammeln, was uns an unsere – wenn auch tragische und von Verbrechen geprägte – Geschichte erinnert:

Muss ich die Bilder von den Wänden meiner Großmutter jetzt schon abhängen und entsorgen? Ihr geht es nicht gut, wir wissen nicht, wie lange sie noch zu leben hat. Und sie wimmert jedesmal auf, wenn ich die Bilder abhängen will. Können wir noch warten, bis sie ihre Augen geschlossen hat? Oder ist die Gefahr so im Verzug, dass wir möglichst rasch handeln müssen?

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Meine Hoffnung
Meine Hoffnung

Von der Leyen wurde aufgehetzt durch diesen unsäglichen Jakob Augstein, den Stänkerer der Nation – neben Stegner ebenfalls ein Brandstifter. Auch ich besitze noch Fotos von meinem Vater in Uniform – Hochzeitsfotos meiner Eltern. Es wird mich niemand zwingen können, diese Fotos zu vernichten oder wegzulegen. Sie stehen offen auf meinem Wohnzimmerschrank – und genau da werden sie immer bleiben und mich und meine Kinder und Enkel daran erinnern, welches Leid dieser Krieg über alle Menschen gebracht hat. Unsere stolze Soldaten haben für unser Vaterland gekämpft. Viele haben ihr Leben im Kampf verloren. Viele waren in Gefangenschaft und kehrten nie… Weiterlesen »

Charly
Charly

Eine Frau als Verteidigungsministerin ist schon ein Witz und Frau v.d. Leyen ist eine Zumutung. Wann wird diese Person endlich aus dem Amt entfernt. Sie hat doch inzwischen schon mehrfach ihre Inkompetenz unter Beweis gestellt.

Grünfaar
Grünfaar

Historische Sichtweisen unterliegen seit Jahrzehnten – bis heute – einer regelrechten Geschichts-Inquisition. Schon Golo Mann sagte, daß die historische Forschung eingeteilt wird in „volkspädagogisch willkommen“ und „volkspädagogisch unwillkommen“. „Volkspädagogisch willkommen“ ist selbstverständlich alles, was irgendwie, selbst wenn man es sich aus dem A…. gezogen hat, im negativen Sinn mit den Deutschen allgemein und im besonderen mit der nationalsozialistischen Diktatur in Verbindung gebracht und der sogenannten „Vergangenheitsbewältigung“ dienstbar gemacht werden kann. Hinsichtlich des Widerstandes gegen die Erforschung der Besatzungspolitik bringt man gebetsmühlenartig das „Argument“, daß Theorie und Praxis der Besatzung nur eine Reaktion auf Theorie und Praxis des Dritten Reiches gewesen… Weiterlesen »

Edda
Edda

Oh, Oh, das ist fürwahr eine schwierige Frage. Abhängen oder „Hängen lassen“. Einen ähnlichen Fall hatte ich am Wochenende. Als ich Verwandte besuchte und mein Onkel und ich in dem 2000-Seelen Ort das kleine Museum besichtigten. Dort waren Bilder von meinem, mir nicht bekannten, Großvater – auch in Uniform und vor allem waren dort auch Bilder von ehemaligen Soldaten in Uniform und mit Hakenkreuz. Es kam noch schlimmer – dort befand sich ebenfalls ein Bild mit der SS-Rune. Wahrscheinlich wird Frau von der Leiden auch die Runen verbieten. Da wir ja nun alle sehr verunsichert sind, welche Bilder wir behalten… Weiterlesen »

meckerpaul
meckerpaul

Die Fotos sind Geschichte. Da brauchen sie niemanden zu fragen ob sie diese noch haben dürfen. Auch nicht die Tante die keine Ahnung von Armee hat. Das Parteibuch zählt, nicht das Wissen und Gewissen. Denn Gewissen scheinen die schon lange nicht mehr zu haben. Nach dem was in diesem Land gegen das schon hier länger lebende abgeht. Intergation ist Verdummung für uns. Integration heißt folglich, Maul halten, sich abkassieren lassen und das wars. Mit Moscheen pflastert man das deutsche Land zu, Hamburg ist schon eine Vasallenstadt geworden. Und nicht nur Hamburg. Der Krebs hat gestreut und wir sollen nichts wissen.… Weiterlesen »

Bullenbeißer
Bullenbeißer

Früher hätte man solche Personen wegen Wehrkraftzersetzung an die Wand gestellt. Jedes Land der Welt bevorzugt die einheimischen Bürger, bevor es Fremde durchfüttert – außer Deutschland natürlich. Jedes Land der Welt ist stolz auf seine Geschichte und verehrt seine Helden, außer Deutschland natürlich. Jedes Land der Welt pflegt seine Sitten , Gebräuche und Traditionen, außer Deutschland natürlich.

Tifette
Tifette

Herr Berger, tausend Dank für diesen wunderbaren Artikel, Tränen der Rührung aber auch der Wut u. Ohnmacht kamen in mir hoch. Wie viele haben schmerzlich ihre Väter, Söhne u. Ehemänner verloren. Ich bin 43 geboren u. erinnere mich noch gut an die Erzählungen meiner Großeltern, die Angst, die Anstrengungen u. die Entbehrungen beim Wiederaufbau Deutschlands. Es ist eine nicht zu überbietende Dreistigkeit was unseren jetzigen, unfähigen Politclowns alles einfällt, um uns Deutsche zu demütigen, zu beleidigen, uns schutzlos der Gewalt der Invasoren auszusetzen, um uns gänzlich auszulöschen u. jetzt sogar unsere Erinnerungen zu verbieten. Wie erbärmlich ! Ich hoffe von… Weiterlesen »

Kultur Attachè
Kultur Attachè

Für wen soll den unsere Armee jetzt noch kämpfen, wenn nicht für Deutschland, etwa für die Ideale der neuen Weltordnung ?

Kultur Attachè
Kultur Attachè

Fr. Von der Leyen hat alle Bilder und Utensilien ungemein im Wert gesteigert, Vieleicht sogar ins unermessliche gesteigert. Im grundegenommen hat Sie damit eine unerlaubte Marktmanipulation vorgenmmen. Ich bin entäuscht mit wem wir es hier zu tun haben.
Das ist Vorcristusniveau, die Bilder und Gesichter aus der Geschichte heraus zu meißeln.
Lächerliche armseelige Frau.

Bert Brech
Bert Brech

Genau wie mit den verschleierten Kanakenweibchen verhaelt es sich auch mit den Kriegsverraetern aus der Konsensgang und ihrer „Zivilgesellschaft“.
Deren Unterschiede zu uns koennen gar nicht GROSS genug sein – die Demokrazis koennen sich gar nich WEIT GENUG von uns, unserem deutschen Wesen und unserem Denken entfernen!
Wenn die Zeit der Abrechnung kommt, wird der Selbstreinigungsprozess leichter vonstatten gehen, wenn die vorherige vollstaendige „Entmenschung“ der Taeter in deutschen Kreisen „Konsens“ geworden ist.

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