Hintergründe

Dokumente freigegeben: Deutsche Forscher halfen UdSSR beim Bau der Atombombe

Dokumente freigegeben: Deutsche Forscher halfen UdSSR beim Bau der Atombombe
Fragebogen des deutschen Forschers Nikolaus Rielm, Foto: Rosatom

Der russische Staatskonzern Rosatom hat Dokumente mit Informationen über deutsche Forscher veröffentlicht, die sich im Dritten Reich an der Entwicklung von Atomwaffen beteiligt hatten und nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion ausgewandert waren, um an der ersten sowjetischen Atombombe mitzuwirken.

Die Archivunterlagen über die Geschichte der sowjetischen Nuklearbranche, deren 75-jähriges Jubiläum im August 2020 begangen wird, wurden auf der Website „Rosatom-Geschichte“ veröffentlicht. Unter anderem handelt es sich um Fotokopien von Dokumenten, die mit der Entwicklung der sowjetischen Atomindustrie verbunden waren, sowie von „Sonderfragebögen“, die die deutschen Forscher in der Sowjetunion ausfüllten.

Deutsche Forscher in der Sowjetunion

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges verfügte Deutschland über das Potenzial zur Entwicklung eigener Atomwaffen. In verschiedenen Forschungszentren wurden Experimente an Atommeilern durchgeführt, wo die Isotopenspaltung und Konstruktion der Atombombe analysiert wurde.

Als die Rote Armee 1945 Berlin erreichte, wurde im Auftrag der Sowjets die Suche nach deutschen Spezialisten organisiert, die über ihre Erfahrungen bei der Atomwaffenentwicklung berichten sollten.

Letztendlich wurden auf dem von der Roten Armee besetzten Territorium tatsächlich viele Wissenschaftler gefunden. In Moskau beschloss man, sie zur Teilnahme an einem ähnlichen Projekt in der Sowjetunion einzuladen. Insgesamt zogen mehr als 300 Menschen – Forscher und ihre Familienmitglieder – freiwillig in die UdSSR. Wie sie sich selbst später erinnerten, konnten sie sich dadurch vor Hunger und Not im Nachkriegs-Deutschland retten. In der Sowjetunion verdienten sie nicht schlecht und genossen relativ komfortable Lebensbedingungen. In den 1950er-Jahren kehrten sie heim – in die DDR oder in die BRD.

Sechs Sonderfragebögen

Jetzt hat Rosatom die Fragebögen veröffentlicht, die sechs deutsche Spezialisten auszufüllen hatten: der Nobelpreisträger Gustav Hertz, Nikolaus Riel, Manfred von Ardenne, Peter Thiessen, Heinz Pose und Robert Döpel. Jedes Dokument enthält ihre Antworten auf knapp 50 Fragen.

Gustav Hertz wurde in der Sowjetunion an die Spitze des extra für ihn eingerichteten „Instituts G“ gestellt, das sich bei Suchum befand und sich mit der Entwicklung von Methoden zur Urananreicherung durch Gasdiffusion beschäftigte.

Die sowjetische Führung legte viel Wert auf den Beitrag der deutschen Experten zur Entwicklung der sowjetischen Atombombe. So wurde Nikolaus Riel im Oktober 1949, zwei Monate nach dem erfolgreichen Test des ersten sowjetischen Atomsprengsatzes, der Orden „Held der Sozialistischen Arbeit“ verliehen. Dabei war er der einzige Ausländer unter den 36 Forschern, die mit diesem Orden ausgezeichnet wurden. Darüber hinaus bekam Riel den Stalin-Preis erster Klasse – die höchste materielle Auszeichnung in der damaligen Sowjetunion.

Hertz wurde seinerseits mit dem Stalin-Preis zweiter Klasse ausgezeichnet. Und Manfred von Ardenne, der zum Leiter des „Instituts A“ in Abchasien wurde, hat eine neue starke Ionenquelle für das Massenspektrometer entwickelt – Gerät für die Analyse von Uranisotopenmischungen. Er wurde sogar zwei Mal mit dem Stalin-Preis ausgezeichnet: 1947 für die Erfindung des Digitalmikroskops und 1953 für die elektromagnetische Isotopenspaltung und Aussonderung des Isotops von Lithium-6, das für den Bau von thermonuklearen Ladungen erforderlich war bzw. ist.

Peter Thiessen wurde mit dem Stalin-Preis erster Klasse und dem Lenin-Orden sowie mit dem Staatspreis der UdSSR und dem Rotbannerorden der Arbeit ausgezeichnet. Heinz Pose hatte sich vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland mit der Erforschung von nuklearen Reaktionen beschäftigt. In den frühen 1940er-Jahren beteiligte er sich an der Entwicklung des ersten Schwerwasser-Atommeilers, der aber 1942 wegen einer Havarie zerstört wurde.

In der Sowjetunion war Pose im „Labor W“ unweit von Obninsk (Gebiet Kaluga) tätig (heute ein Rosatom-Betrieb). Großteils dank den deutschen Spezialisten etablierte sich das Labor als eines der wichtigsten nuklearen Forschungszentren in der UdSSR.

Robert Döpel, der in Deutschland ebenfalls an der Entwicklung des experimentellen Meilers beteiligt war, spielte in der Sowjetunion eine wichtige Rolle für die Produktion von schwerem Wasser, das die Arbeit eines Atommeilers mit abgereichertem Uran ermöglichte. Der Forscher leitete den Lehrstuhl für experimentelle und nukleare Physik an der Universität Woronesch und kehrte später nach Deutschland, in die DDR zurück.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
19 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Dauerkotzer
Dauerkotzer
24. Dezember 2019 12:40

Die sind genauso Freiwillig umgezogen, wie die Forscher, die im Rahmen der Operation “Paperclip” in die VSA deportiert wurden. Deren Mitarbeit war genauso Freiwillig, wie die des Wernher von Braun, dem man einen Arm gebrochen hat. Es ist anzunehmen, daß die Familien, die ja “Freiweillig” mitgegangen sind, als Geiseln benutzt wurden. Ferner möchte ich feststellen, daß das Deutsche Reich 1942 “Die Bombe” hatte, (–>Recherchiere Jonastal) diese von den Amis geklaut wurde um sie dann auf Hiroshima und Nagasaki zu werfen. Die Amis hatten damals nicht das Know How, um an einer, geschweige denn zweien, gänzlich Unterschiedlichen Systemen zu arbeiten, Das… Weiterlesen »

Karl Ludwig
Karl Ludwig
6. Dezember 2019 18:34

“Der russische Staatskonzern Rosatom hat Dokumente mit Informationen über deutsche Forscher veröffentlicht, die sich im Dritten Reich an der Entwicklung von Atomwaffen beteiligt hatten und nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion ausgewandert waren, um an der ersten sowjetischen Atombombe mitzuwirken.”

“Ausgewandert” is ja wohl ein Hohn. Verschleppt ist da treffender.

Koerner
Koerner
4. Dezember 2019 14:04

Es gab 1936 bis 1945, zwei Naturforscher in der Physik, an denen man den Menschen messen kann. Da war der Otto Hahn, der die Kernspaltung, zur Dampferzeugung / Energieerzeugung nutzte. Und da war Joseph Oppenheimer, der schon in Skandinavien, bei Otto Hahn über die Schulter guckte. Joseph Oppenheimer steht für nukleare Zerstörung. Und Otto Hahn, für zivile Energienutzung. Die ganzen Mitläufer, die nach 45, zwischen den Siegermächten aufgeteilt wurden, haben ihre Ergebnisse, auf die vorangegangenen Entdeckungen / Forschungen, aufgebaut, Man stelle sich vor, die Amis / Australier, hätten im ersten Weltkrieg nicht eingreifen können. Und Zar Nicolaus, wäre dem Krieg… Weiterlesen »

Bernd
Bernd
3. November 2019 9:27

Julius Rosenberg und Ethel Rosenberg Greenglass waren ein wegen Spionage verurteiltes und hingerichtetes jüdisches Ehepaar in den VSA. Die Rosenbergs standen an der Spitze eines Spionagerings, der das Atombombengeheimnis an Stalin verraten hatte. Nach KGB-Enthüllungen der 1980er und 1990er Jahre sollen auch „Väter der Atombombe“ wie John Oppenheimer und Niels Bohr in ein Komplott zugunsten Stalins verwickelt gewesen sein. Als Hauptbelastungszeuge gegen die Rosenbergs trat damals David Greenglas, der Bruder der Angeklagten, in Erscheinung. Julius Rosenberg und seine Frau Ethel geb. Greenglass, waren überzeugte Kommunisten und so fiel es dem Leiter der Sowjetspionage für das Atomprojekt in den USA, Jakowlew,… Weiterlesen »

Ecker
Ecker
1. November 2019 13:05

Ich weiss nicht. Als Atomspion verurteilt und in Haft gesessen hat Klaus Fuchs. Was ist denn mit der Erwähnung dieser Personalie? Sehe nichts davon.

Konfuzius
Konfuzius
31. Oktober 2019 15:48

Ach nee, womöglich auch den USA !?!
Kalter Kaffeeee, auch andere Technik ist Nazitec…

Ewu
Ewu
31. Oktober 2019 10:01

Ewu Die Atomtechnologie und wie sie NIEMALS wirlich funktionierend an den UNI’$ nicht gelehrt oder hypnotisiert wird (höchstens beim CIA – aber das Glaub ich nicht einmal – das ist wie der Verstärker-Transistor -TOP TOP TOP-SECRET ! ) IST der wahre Grund – warum DIE VOLLVERBLÖDUNG grasiert ! (Leute die z.B Harald Lesch – Videos auf den Leim gehen) (Die Atombombe und ihre wahre Funktion ist eine DIREKTE Energie-Selbst-Verstärker Technologie !) (So ungefähr wie das Perpetuum-Mobile, also die ware Radiant Enegie warum WIRKLICH ein rundes Linsen -Telsekop Bilder vergrößert bze EIGENBTLICH sogar verstärkt !!!) Man mus es nur Verstehen wollen… Weiterlesen »

Frickler
Frickler
30. Oktober 2019 23:30

Nicht nur das. Die beiden A-Bomben, eine Uran- und eine Plutoniumbome, die die Amerikaner auf Japan schmissen, obwohl Japan den USA ein halbes Jahr zuvor die Kapitulation anbaten, waren deutscher Herkunft! Selbst die israelische Atombombe wurde in Deutschland entwickelt!

Religionsfeind
Religionsfeind
30. Oktober 2019 20:06

Das wusste schon mein Großvater und nun bin ich selbst im Ruhestand.

Emil
Emil
30. Oktober 2019 8:31

Nur für Selbstdenker:
Besser kann man nicht zeigen, warum Deutschland zerstört und das Volk ausgerottet wird.

Send this to a friend