Während kein deutsches Medium mehr danach kräht, dass Frauen hierzulande täglich das Martyrium der Vergewaltigung erleiden, als gehöre sie seit einigen Jahren wie selbstverständlich zum Alltag, wird diese Schandtat, begangen im Ausland, in der gesamten Presse landauf landab kolportiert: Schließlich waren es „Deutsche“, die sich am DonZnerstag in Spanien an dem noch vor dem Jahr 2015 unbekannten Phänomen der Massenvergewaltigung beteiligten.

von Günther Strauß

Unisono rauscht es heute früh im deutschen Blätterwald: „Deutsche auf Mallorca von deutschen Urlaubern massenvergewaltigt“. Eine andere Schlagzeile: „Zugriff am Flughafen von Palma! Vier deutsche Urlauber sind am Donnerstagmorgen in der Halle des Mallorca-Airports festgenommen worden. Der angebliche Vorwurf: Gruppenvergewaltigung! Die Erleichterung ist spürbar: Deutsche, Deutsche, Deutsche. Es waren Deutsche. Auch Michels sind solch einer widerwärtigen Gräueltat fähig, wurde sie bislang doch ausschließlich einem bestimmten Kulturkreis zugeordnet.

Was die Gesinnungspresse allerdings unterschlägt, weil sie entweder des Spanischen nicht mächtig ist oder vielmehr ihre Leser auf politisch korrektem Kurs zu halten sucht: Bei den Tätern handelt es sich um Türken, lediglich wohnhaft in Deutschland. Das Opfer: Eine 18-jährige Deutsche. Nach gleichlautenden Informationen jedes einzelnen maßgeblichen Blattes in diesem Land soll einer der Männer die Frau vergewaltigt haben, während ein anderer das Opfer festhielt. Ein weiterer Festgenommener hat sich möglicherweise der Verschleierung der Vergewaltigung schuldig gemacht. Das vierte Mitglied der Gruppe bekam von der Tat angeblich nichts mit. Er soll sich derweil mit einer anderen Frau vergnügt haben und daher über ein Alibi verfügen.

Laut Diario de Mallorca soll das Verbrechen im Hotel der vier Türken begangen worden sein. In dieses war die junge Frau den Männern gefolgt, nachdem sie sie im „Club Cala Ratjada“ kennengelernt hatte. Die Täter sollen den sexuellen Missbrauch gefilmt und fotografiert haben. Und die deutschen Medien reiben sich auf an den Zwischentiteln: „Vier Deutsche wegen Vergewaltigungsvorwürfen festgenommen“ (Spiegel). Und: „Festnahem auf Mallorca: Deutsche Urlauber der Gruppenvergewaltigung beschuldigt“ (Tagesspiegel). Sowie: „Vergewaltigung: Polizei nimmt mehrere Deutsche auf Mallorca fest“ (Stern). Zum Alter und zur Identität der Deutschen sei noch nichts mitgeteilt. Woher sie aus Deutschland stammten, sei ebenso unbekannt. Die Bild will da mehr wissen: Die Täter sollen in Frankfurt am Main wohnen.

Und da betreutes Denken voll im Trend liegt, schreibt die Welt in ihrem Kommentarbereich: „Liebe Leserinnen, liebe Leser, alle gesicherten Erkenntnisse zu Tat und Täter teilen wir Ihnen mit. Wir hoffen auf Ihr Verständnis, dass wir bei derartigen Vorkommnissen höchst sensibel agieren. Mutmaßungen, Spekulation und Unterstellungen leisten wir keinen Vorschub.“

Auch sie wird wissen, was spanische Zeitungen längst enthüllt haben. Allerdings müsste man sie dann bis zum Ende lesen, um zu erfahren, was etwa Ultima Hora über die Verhaftung der Unholde am Flughafen von Palma de Mallorca schreibt: „Zahlreiche Beamte wurden im Passagierkontrollbereich eingesetzt und untersuchten nacheinander die Ankommenden. Die vier Verdächtigen hatten sich getrennt, um unbemerkt zu bleiben, aber die Beamten [Guardia Civil; Anm. d. Red.], unterstützt von Sicherheitsleuten, entdeckten und stellten sie. Los turistas turcoalemanes – Die Türken aus Deutschland –  also, konnten keinen Widerstand leisten und wurden direkt gefesselt, nachdem sie auf die Knie gegangen waren.“ Deutsche Medien? Die haben sich einmal mehr das Prädikat „Lügenpresse“ erarbeitet.

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